Intelligenz der Tiere

Dass Tiere eine erstaunliche Intelligenz haben können, ist mir zwar seit langem bekannt, aber dennoch war ich überrascht über folgenden Bericht  in der „Berliner Zeitung” vom 24./25.09.2011:

“ Die Prenzlauer Allee (eine Hauptstraße im Berliner Szenebezirk Prenzlauer Berg) am Morgen: Die einen hasten zur Arbeit, die anderen dösen noch etwas herum. In dem Gewusel von Radfahrern, Fußgängern, Autos und Straßenbahnen ist ein Wesen voll bei der Suche. Es ist eine Krähe. Schon etwas gichtig, spaziert sie auf dem Mittelstreifen der Straße entlang. Sie schleppt eine Walnuss im Schnabel. Die Krähe presst und quetscht, aber es nützt nichts. So kann sie die Nuss nicht knacken. Sie legt sie ab, starrt die Nuss eine Zeit lang an, hackt auf ihr herum. Vergebens. Sie stößt sie mit dem Schnabel vor sich her, kickt sie über das schüttere Gras, blickt auf, betrachtet den Verkehr. Grübelt. Lässt die Nuss endlich liegen, wandert schwankend weiter auf ihren alten Beinen. Kehrt nachdenklich wieder zurück. Dann legt sie die Nuss auf die Straßenbahnschienen, die hier zur Rille geformt sind, und wartet darauf, dass die nächste  Bahn kommt.”

Sehr erstaunlich! Doch was hat das mit Tierethik zu tun? Ich denke dabei an den britischen Philosophen Jeremy Bentham, einem der geistigen Wegbereiter der heutigen Tierrechtsbewe- gung, der schon um 1780 erklärte: „Die Frage ist nicht: Können sie (die Tiere) verständig denken? Oder können sie sprechen?, sondern: Können sie leiden?”

Wenn – wie > Arthur Schopenhauer meinte – das Mitleid die Grundlage der Ethik ist, dann ist auch Tierethik > Mitleidsethik. Wer mit Tieren Mitleid hat, wird nicht nach der Intelligenz des Tieres fragen, sondern für ihn ist entscheidend, dass das Tier leidet. Dennoch ist die Tat- sache, dass Tiere eine Intelligenz haben können, die sich durchaus mit der mancher Menschen vergleichen lässt, nicht unwichtig. Ein solcher Vergleich zeigt uns erneut, wie nah auch in dieser Hinsicht Tiere dem Menschen stehen können.

„Von Menschen und anderen Tieren” so lautet der Titel eines 2010 in deutscher Übersetzung erschienen Buches von John Gray. Der Titel scheint mir berechtigt zu sein, denn auch die Intelligenz vieler Tiere beweist, wie problematisch, ja willkürlich es ist, Mensch und Tier von einander abzugrenzen. Für mich besteht deshalb ein sehr enger Zusammenhang zwischen Menschen- und Tierethik, und zwar mit der praktischen Konsequenz, dass auch Tiere endlich Rechte bekommen müssten, die zwar artgemäß, aber dennoch möglichst weitgehend an den Menschenrechten orientiert sein sollten. Jedenfalls hat der bisherige Zustand, die  völlige Rechtlosigkeit der Tiere, kaum etwas mit positiver Ethik zu tun, sondern ist schreiendes Unrecht!

Themenübersicht zur Tierethik > hier

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