Hunde – Katzen – Schlachttiere

Ein Leben ohne Hund ist möglich, aber sinnlos – so lautete die Ankündigung einer TV-Comedyshow mit zwei „Hundefreunden“ als Gäste. Selbst wenn der Eingangssatz humoristisch gemeint ist, so scheint er mir doch mitunter der Wirklichkeit zu entsprechen. Jedenfalls kann ich oft beobachten, wie eng das Verhältnis zwischen Hund und Mensch ist.

Auch ich bin durchaus ein Hundefreund und freue mich über jeden Hund, der sich seines Lebens erfreut. Doch unwillkürlich kommt mir dabei ein ganz anderer Gedanke, nämlich der an die Schlachttiere. Ich denke da an die Tiere, die ja zumeist in der Massentierhaltung schreckliches Leid ertragen müssen, um dann nach ihrer oft nicht minder furchtbaren Schlachtung als Hunde- und Katzenfutter zu enden.

Als Mitglied eines großen Tierschutzvereins mit angeschlossenem Tierheim, das fast immer mit Hunden und Katzen überfüllt ist, frage ich mich, ob und wie die Verfütterung von Fleisch ethisch verantwortetet werden kann. Gilt für Schlachttiere keine Tierethik?

Als Veganer lebe ich seit vielen Jahren sehr gut ohne Fleisch. Ist das aber auch für Hunde und Katzen, die ja von ihrer Natur her Fleisch(fr)esser sind, auf Dauer möglich? Manche Veganer bejahen diese Frage, und zwar nicht nur für Hunde, sondern auch für Katzen. Ich selbst habe, zumal ich kein Tierarzt bin, Zweifel. Jedenfalls zeigt dieses Beispiel, das Tierethik in der Praxis auch mit Fragen verbunden sein kann, für die es keine einfachen und allseitig befriedigenden Antworten gibt. Was hingegen Menschen angeht, so gibt es – zumindest in unserer Gesellschaft – eine klare Lösung: Vegan leben!

Ich weiß: Nicht jeder, der Hunde oder Katzen liebt, ist bereit, seine Tierliebe auch auf andere Tiere auszudehnen und als Konsequenz daraus,  Veganer zu werden. Es wäre jedoch im Hinblick auf die Schlachttiere, die auch der Hunde- und Katzenernährung dienen, schon ein Fortschritt, wenn sich mehr Hunde- und Katzenfreunde gegen die tierquälerische  Massentierhaltung engagieren würden. 

Übrigens, wer ein Hund oder eine Katze aus dem Tierheim holt, löst zwar das aufgezeigte Problem nicht, vergrößert es aber auch nicht. Wird dem Tier ein gutes, liebevolles Zuhause geboten und das Tierheim entlastet, so finde ich das durchaus sehr positiv. Ganz anders hingegen beurteile ich die gewerbsmäßigen Hunde- und Katzenzüchter, die durch ständige Nachzucht erheblich zum Elend der ausgesetzten Tiere und zur Not der Tierheime beitragen.

All das ist zu bedenken, wenn es um Tierethik geht. Sie ist allumfassend und kann sich daher nicht auf Lieblings- und Kuscheltiere beschränken. So bezieht sich wahre Tierethik auch auf die Schlachttiere, die für die “Freunde des Menschen“ oft unter entsetzlichen Umständen ihr Leben lassen müssen. Zugegeben, das ist eine ziemlich unbequeme Wahrheit, aber ich, und zwar gerade auch als Hundefreund, bin nicht in der Lage, sie zu verdrängen.
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Tierschutzpartei – neue Kurzbezeichnung!

Die Tierschutzpartei hat vor einiger Zeit eine scheinbar kleine, aber aufschlussreiche Änderung der Kurzbezeichnung ihres Parteinamens vorgenommen: Aus Die Tierschutzpartei wurde Tierschutzpartei. Die Medien nahmen hiervon bisher kaum Kenntnis. Das liegt wohl daran, dass diese Partei, jedenfalls außerhalb von Wahlen, nicht besonders im Licht der Öffentlichkeit steht. Dennoch ist der Verzicht  auf das “Die” im Parteinamen für die Einschätzung dieser Partei und ihrer Ziele keineswegs unwichtig:

Mit dem Demonstrativpronomen “die” wird laut DUDEN (Grammatik) “in   besonderer Weise” auf eine Sache hingewiesen. Man deute so auf etwas hin, was “näher zu kennzeichnen ist”. Andere Parteien sind sich dieser Signalwirkung durchaus bewusst. So nennen sie sich z. B: “Die Grünen” oder ”Die Linken”, um hierdurch das Besondere Ihrer Partei gegenüber den politischen  Konkurrenten hervorzuheben.

Wenn die Tierschutzpartei trotzdem Ihre Kurzbezeichnung geändert hat, ist das als eine Abschwächung der bisherigen Betonung ihrer Einmaligkeit als Partei des Tierschutzes zu werten. Hinzu kommt, dass in ihrem vollen Namen “Partei Mensch Umwelt Tierschutz” das Parteiziel “Tierschutz” erst an dritter Stelle steht. Damit liegt leider die Vermutung nahe, dass künftig der Tierschutz zugunsten anderer Ziele an Bedeutung verlieren wird.

Wahrscheinlich möchte die Partei so dem Vorwurf begegnen, sie sei eine “Ein-Thema-Partei”. Ob ihr das wirklich helfen wird, größere Wahlerfolge zu erzielen, bleibt abzuwarten. Der Parteivorstand hat hierbei realistisch zu bedenken, dass das Reservoir aus Protestwählern und Umweltschützern weitgehend von den “Piraten”, den “Grünen” und den “Linken” ausgeschöpft wird. Die Partei muss deshalb etwas ganz Besonderes, geradezu Einmaliges bieten, um Wählerschichten an sich zu binden. Das kann nur das Thema “Tierschutz” sein. Dieses Parteiziel sollte auch in ihrem Parteinamen, und zwar in der Kurz- und Langfassung, sehr deutlich, also ohne jede Abschwächung, zum Ausdruck kommen!

Bei der immer wieder in Parteikreisen diskutierten Kurzbezeichnung “MUT – Partei” wäre das nicht der Fall, denn dann käme dort eines der Hauptanliegen der Partei, nämlich der Tierschutz, überhaupt nicht mehr vor.

Die Tierschutzpartei ist eine Hoffnung für alle, die endlich einen politischen Durchbruch im Interesse der leidenden Tiere erreichen wollen. Sie darf keinesfalls zur Spielwiese für aufstrebende Politiker werden.

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Schopenhauer : Mitleid und Charakter

Mitleid mit Tieren hängt mit der Güte des Charakters so genau zusammen, dass man zuversichtlich behaupten darf, wer  gegen Tiere grausam ist, könne kein guter Mensch sein.

Dieses Zitat ist aus Schopenhauers “Preisschrift über die Grundlage der Moral” (> E , S. 242). Arthur Schopenhauer begründet dort, und zwar für mich sehr überzeugend, warum wahre Ethik auf Mitleid beruht. Hierbei geht es nicht wie bei manchen anderen weltweit bekannten Philosophen nur um Menschen, sondern um eine Mitleidsethik, die auch Tiere berücksichtigt.

Aus obigem Zitat geht deutlich hervor, dass Mitleid engstens mit dem  Charakter des Menschen verbunden  ist.  Sind Menschen Tieren gegenüber mitleidlos, so ist das keine Äußerlichkeit, sondern ein schwerwiegender Charakterfehler. Kann dieser behoben werden, kann der Mensch sich bessern?

Schopenhauer war der Überzeugung, dass der Charakter angeboren und im wesentlichen nicht veränderbar sei. Ehe man, so meinte Schopenhauer,  durch die Erfahrung belehrt werde, glaube man “kindisch”, man könne durch “vernünftige Vorstellungen, durch Bitten und Flehen, durch Beispiel und Edelmut” einen Menschen dahin bringen, “dass er von seiner Art lasse, seine Handlungsweise ändere, von seiner Denkungsart abgehe” (> W I , S. 359). Wenn sich dennoch das Verhalten eines Menschen ändere, so beruhe das nicht auf eine Änderung seines Charakters, sondern auf dem, was Schopenhauer “Motive” nannte.

Solche Motive sind beispielsweise zu erwartende Vor- oder Nachteile, Belohnungen oder Strafen, die Menschen veranlassen können, dieses oder jenes zu tun oder zu unterlassen. Der mehr oder minder egoistische oder altruistische Charakter des Betreffenden bleibt dabei unverändert. Wenn etwa in Indien  heilige Kühe nicht geschlachtet werden, so muss das nicht immer nur auf Mitleid beruhen, sondern wohl auch auf dem Glauben der Hindus, dass die Tötung dieser Tiere schlechtes Karma erzeuge, was zu einer ungünstigen Wiedergeburt führe. 

Durch bittere Enttäuschungen, die ich gerade auch im Zusammenhang mit meiner Tierschutzarbeit erleben musste, habe ich mich im Laufe der Jahre dieser Auffassung Schopenhauers mehr und mehr angenähert. Heute weiß ich, wie wenig Sinn es hat und welche Zeitverschwendung es bedeutet, Menschen von der Notwendigkeit des Tierschutzes zu überzeugen, wenn diesen jegliches Mitgefühl für Tiere fehlt.

So beschränke ich mich darauf, Menschen anzusprechen, von denen ich den Eindruck habe, dass ihnen das  furchtbare Leid der Tiere nicht völlig gleichgültig ist. Dadurch kann ich zwar nicht den Charakter der Angesprochenen ändern, aber ich sehe dabei die durchaus realistische Chance, ihnen “Motive” im Sinne Schopenhauers nahe zu bringen, also sie durch Informationen zu motivieren, Tiere zu schützen. Die Existenz von Tierschutzvereinen und Tierheimen, die ihre Arbeit aus Spenden finanzieren, beweist: Es gibt Mitleid mit Tieren – leider immer noch zu wenig, aber immerhin so viel, dass Tieren geholfen wird.
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Ethik und das Recht des Stärkeren

Ist das Recht des Stärkeren mit Ethik vereinbar? Die meisten Menschen werden das wohl verneinen. Dennoch praktizieren sie alltäglich dieses  vermeintliche Recht des Stärkeren, nämlich dann, wenn sie zur Ernährung, Kleidung usw. Tiere benutzen oder verbrauchen. Oft geht es hierbei gar nicht um Lebensnotwendigkeiten, sondern einfach um mehr Lebensgenuss.

Dieses ethisch fragwürdige, ja verwerfliche Verhalten, lässt sich auch durch die Wissenschaft nicht überzeugend rechtfertigen, denn selbst dort zeigt sich immer deutlicher, dass es keine eindeutigen Grenzen zwischen Mensch und Tier gibt. In ihrem Fühlen und Denken kommen die Tiere dem Menschen erstaunlich nahe, mitunter sind sie ihm sogar überlegen. Was unterscheidet dann noch, abgesehen von Äußerlichkeiten, Mensch und  Tier? Diese Frage stellen sich zunehmend mehr Wissenschaftler und kommen dabei immer mehr zur Überzeugung, dass zwischen Mensch und Tier kein absoluter, sondern nur ein gradueller Unterschied besteht.

Anders hingegen die bei uns vorherrschenden Religionen: Nach deren  Dogmen hebt sich der Mensch als beseeltes Wesen grundsätzlich vom Tier ab. Das Tier ist mehr oder weniger nur eine belebte Sache, die von Gott dem Menschen, der „Krone der Schöpfung”, zum Ge- und Verbrauch zur Verfügung gestellt wurde. Damit wird die Ausbeutung der Tiere, einschließlich ihrer Tötung, gewissermaßen als göttlich verliehenes Recht  religiös legitimiert. Im Gegensatz hierzu sehen die aus Indien stammenden Religionen ( Jainismus , Buddhismus , Hinduismus / Upanishaden ) alles Leben grundsätzlich als göttlich oder, soweit sie atheistisch sind, als mit dem Menschen wesensgleich an.

Geistige Überlegenheit ist selbstverständlich kein Rechtfertigungsgrund, um andere Menschen auszubeuten, sie gesundheitlich zu schädigen oder zu  töten. Wenn es jedoch „nur” um Tiere geht, wird das, und zwar ebenso selbstverständlich, weithin akzeptiert. Im Grunde handelt es sich hier um eine durch und durch anthropozentrische, also letztlich egoistische „Moral“, bei der allein der Mensch das Maß aller Dinge ist. Dazu ein Beispiel, das ich für sehr aufschlussreich halte:

Mit gewaltigem finanziellen Aufwand wird in der Weltraumforschung nach außerirdischem, vor allem intelligentem  Leben gesucht. Sollte man dabei tatsächlich auf „Außerirdische” stoßen, die der Menschheit geistig und technisch überlegen sind, dann wird natürlich vorausgesetzt, dass man sich mit ihnen irgendwie arrangieren könne. Aber warum, so ist zu fragen, sollten sich diese überlegenen Wesen darauf einlassen und nicht, wie es die Menschen mit den Tieren tun, rücksichtslos vom Recht des Stärkeren Gebrauch machen?

Wenn mir solche Fragen durch den Kopf gehen und ich daran denke, wie skrupellos und gewalttätig die Menschen mit den ihnen unterworfenen, völlig hilflosen Tieren umgehen, dann fällt es mir schwer, noch an die vielgepriesene „Herrschaft des Rechts” zu glauben – es sei denn, man meint hiermit das Recht des Stärkeren.

Wahre Ethik kann nicht auf dem Recht des Stärkeren gegründet sein. Im Gegenteil, zu ihr gehört vor allem die Achtung vor dem Recht des Schwächeren. Die Schwächsten unserer Gesellschaft sind aber, weil gänzlich ohne Rechte, die Tiere. Ob sich hieran trotz aller Bemühungen engagierter Tierrechtler in absehbarer Zukunft etwas ändern wird, erscheint mir ziemlich ungewiss, denn dazu müsste sich die Einstellung in breiten Schichten der Bevölkerung  grundlegend wandeln. Arthur Schopenhauer , der wohl erste weltbedeutende Philosoph der Neuzeit, der sich für Tierrechte einsetzte, schrieb schon vor mehr als 150 Jahren:

Erst, wenn jene einfache und über alle Zweifel erhabene Wahrheit, dass die Tiere in der Hauptsache und im Wesentlichen ganz das Selbe sind wie wir, ins Volk gedrungen sein wird, werden die Tiere nicht mehr als rechtlose Wesen dastehen und demnach der bösen Laune und Grausamkeit jedes rohen Buben preisgegeben sein.
( Arthur Schopenhauer , P II , S. 403)
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