Jagd – Triebbefriedigung oder Umweltschutz ?

„ Jagd ist nur eine feige Umschreibung für besonders feigen Mord am chancenlosen Mitgeschöpf.“ Dieses Zitat, das von Theodor Heuss, dem ersten deutschen Bundespräsidenten, stammen soll, habe ich auf den Anti-Jagd-Demos, die vor einigen Jahren in Berlin stattfanden, besonders oft gehört und gelesen.

Selbstverständlich wenden sich die Jäger ganz entschieden dagegen, ihr „edles Waidwerk“ als „Mord“, als bloße Triebbefriedigung anzusehen. Im Gegenteil, sie behaupten Jagd sei Umweltschutz. Das mag vielleicht in einigen wenigen Fällen, in denen z. B. Förster durch Jagd „regulierend“ eingreifen, zutreffen. Doch ansonsten dürften Jäger eine ganz andere Motivation für ihr blutiges „Hobby“ haben:

Die Jagd gehört zu den ältesten Arten der menschlichen Nahrungsbeschaffung. In den frühen Sammler- und Jägerkulturen hatten die Menschen ein respektvolles Verhältnis zum Tier, und zwar auch dann, wenn sie zu ihrer Nahrung Tiere erlegten. Mussten sie ein Tier töten, so versuchten sie, durch religiöse Entsühnungszeremonien sich von ihrer Schuld zu reinigen, in denen sie z. B. die Schutzgötter der Tiere um Entschuldigung baten. 

Später hatten sie ein solches schlechtes Gewissen kaum noch. Eine der wichtigsten Gründe hierfür war das im Abendland seit dem frühen Mittelalter herrschende Christentum, welches im Tier mehr oder weniger nur ein seelenloses, von Gott zum Gebrauch des Menschen geschaffenes Wesen sah und mitunter auch heute noch sieht. Nun konnte der  Mensch seine Jagd religiös legitimiert und damit frei von irgendwelchen Skrupeln ausüben. Die Jagd diente immer weniger zum Nahrungserwerb und wurde  immer mehr zum Hobby, zum Zeitvertreib, und zwar erst für den privilegierten Adel und nach fortschreitender Demokratisierung auch für andere soziale Schichten.

Doch was treibt diese Menschen zur Jagd? Das Wort „treibt“ erklärt es eigentlich schon, nämlich ein Trieb : der Jagdtrieb. Dieser, Trieb, der in vielen Menschen zutiefst als Erbe aus archaischen Zeiten verwurzelt ist, will befriedigt werden! Für ihre Triebbefriedigung geben die Jäger viel Geld aus, wozu sie kaum bereit wären, wenn es allein um Umweltschutz ginge.

So ist der Umweltschutz – vielleicht von Ausnahmen abgesehen – nicht das wahre Motiv für die Jagd. Für die ethische Bewertung der Jagd kommt es jedoch auf das Motiv an. Wenn Tiere bei der Jagd getötet werden, ihnen großes Leid zugefügt wird, und zwar nur zur Triebbefriedigung der Jäger, so hat das mit Ethik und vor allem mit Tierethik nichts zu tun. Es ist das Gegenteil von Ethik. Keine Frage, die Jagdgegner haben vielleicht nicht immer das Gesetz, aber auf jeden Fall die Ethik auf ihrer Seite!
hb

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Tierpsychologie und Tierrechte

Keine Wissenschaft liefert für Tierrechte derart überzeugende Argumente wie die Tierpsychologie. Obwohl noch eine junge Wissenschaft, hat die Tierpsychologie  durch ihre naturwissenschaftlich fundierten Erkenntnisse das durch Kirche und herkömmliche Wissenschaft  vermittelte Bild von den Tieren als seelenlose Wesen  bzw. lebende Automaten grundsätzlich in Frage gestellt.

Tierpsychologie , so erklärt das “Philosophische Wörterbuch” (21. Aufl., Stuttgart 1982, S. 697 f.), sei “die Wissenschaft vom Seelenleben der Tiere; sie ist nur möglich durch eine psychologische, nach Analogien zum menschlichen Seelenleben und dessen Ausdrucksformen forschende Deutung des Verhaltens der Tiere”.

In diesem Zusammenhang wird dort darauf hingewiesen, dass sich schon durch Montaigne, den französischen Materialismus, die deutsche  Aufklärung, durch Brehm, Häckel ein neues, grundlegend anderes Verständnis für Tiere herausbildete. Man fand “keinen oder höchstens einen gradweisen Unterschied zwischen Menschen- und Tierseele, oft sogar zugunsten dieser”.

So setzte sich immer mehr die Erkenntnis durch: “ Das Tier ist kein Automat, es handelt bewußt …  Ähnlichkeit zwischen menschlichem und tierischem Seelenleben besteht in der Sphäre der Triebe und Gefühle. Höhere Tiere scheinen das emotionale Verhalten des Menschen insbesondere, wenn durch die Sprache ausgedrückt und liebvoll auf sie gerichtet, irgendwie zu ` verstehen ` „.

Diese Erkenntnisse aus der Tierpsychologie,  die übrigens bereits Arthur Schopenhauer in seinen Schriften klar und philosophisch sehr tief begründet zum Ausdruck brachte, sind keineswegs nur von theoretischer Bedeutung. Die Forderung nach Tierrechten ist daraus die praktische und notwendige Konsequenz.

Gerechtigkeit war schon für den altgriechischen Philosophen Platon die Summe aller Tugenden. Das Gebot der Gerechtigkeit erfordert: Wesen, die ähnlich sind, sollten auch ähnliche Rechte haben. Die Wirklichkeit ist aber völlig anders: Obwohl die Ähnlichkeit zwischen Mensch und Tier inzwischen weitgehend anerkannt wird, haben die Menschen gegenüber dem Tier grundsätzlich alle Rechte, wogegen den Tieren sogar das elementarste Recht, nämlich das auf Leben und Gesundheit, verweigert wird. Daran hat sich bisher trotz aller Erkenntnisse der Tierspsychologie grundsätzlich nichts geändert. Die Tierpsychologie kann beim Kampf um Tierrechte argumentativ helfen, aber ihn selbst nicht ersetzen. So muss dieser Kampf, der ein Kampf für eine gerechtere Welt ist, weitergehen!  
hb

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Tierschutzpartei bei NRW – Wahl 2012 : Stimmenzuwachs

Die Tierschutzpartei in NRW konnte bei der Landtagswahl 2012 im Vergleich zu der von 2010 ihre Stimmenzahl – bei etwa gleicher Wahlbeteiligung – von 48.099 (= 0,6%) auf 58.089 (= 0,7%) erhöhen. Der prozentuale Stimmenzuwachs von 0,1% mag manche Anhänger der Tierschutzpartei vielleicht etwas enttäuschen, doch ist hierbei zu berücksichtigen, dass diese Landtagswahl für die Tierschutzpartei unter erschwerten Bedingungen stattfand. Da es eine vorgezogene Landtagswahl war, stand für die etwa 180 Mitglieder des Landesverbandes NRW nur wenig Zeit für die Wahlvorbereitungen zur Verfügung. Das gilt insbesondere für die sehr kurze Zeit zur Sammlung der Unterstützungsunterschriften, die erforderlich sind, um zur Wahl zugelassen zu werden.

Keine Frage: 0,7% der Stimmen reichen bei weitem nicht aus, um angesichts der 5%-Sperrklausel in den NRW-Landtag zu kommen. Doch im Hinblick darauf, dass diese Sperrklausel nicht bei Kommunal- und Europawahlen gilt, müsste es bei größerem und vor allem gezielten Einsatz der Tierschutzpartei möglich sein, zumindest auf dieser politischen Ebene Mandate zu gewinnen. Da die Protestwähler bis auf weiteres weniger die Tierschutzpartei als vielmehr die “Piraten” wählen werden, kommt es meiner Meinung nach entscheidend darauf an, sehr deutlich den Tierschutz in den Vordergrund zu stellen, um so das zweifellos vorhandene große Potential an Tierschützern als Wähler für die Tierschutzpartei zu gewinnen.
hb

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