Rechtlose Tiere

        Nach langem Kampf wurde der Tierschutz 2002 endlich als Staatsziel in das deutsche Grundgesetz aufgenommen. Der Deutsche Tierschutzbund schreibt dazu auf seiner Website (Stand: 01.03.2019):

        „Das Mensch-Tier-Verhältnis ist durch die Verfassungsergänzung aber nicht vom einen auf den anderen Tag revolutioniert worden. Tierversuche waren nicht automatisch verboten und auch die industriellen Massentierhaltungen mussten nicht schließen. Andererseits ist das Staatsziel Tierschutz aber auch keine „nutzlose Verfassungslyrik“. Die Staatszielbestimmung verpflichtet die Staatsgewalten, dem Tierschutz zu einem möglichst hohen Stellenwert in unserem Rechts- und Wertesystems zu verhelfen.“

        Wie wenig sich seitdem in Wirklichkeit geändert hat und wie sehr die Tiere nach wie vor rechtlos geblieben sind, zeigt zum Beispiel eine Nachricht, die die Berliner Zeitung vom 01.03.2019 (S. 28) unter der Überschrift Stadt pfändet Mops und verkauft ihn bei Ebay veröffentlichte:

         „Die westfälische Stadt Ahlen hat zum Eintreiben von Schulden einen Mops gepfändet und bei Ebay für 750 Euro verkaufen lassen. Zuvor seien bei der Familie, die Schulden bei der Stadt habe, bereits nicht täglich benötigte Haushaltsgeräte beschlagnahmt worden, erläuterte der Kämmerer – laut Zwangsvollstreckungsgesetz könne wertvoller Besitz wie der Familien-Mops Edda gepfändet werden.“

        Hiernach steht der Hund, also ein Tier, das mit dem Menschen eng zusammenlebt und oft Teil seiner Familie ist, nach unserer Rechtsordnung in einer Reihe mit „nicht benötigten Haushaltsgeräten“. Dadurch wird leider erneut überaus deutlich, welchen Stellenwert die Tiere in unserem Rechts-und Wertesystem haben, nämlich den eines Wirtschaftsgutes, das gepfändet, genutzt, ja ausgebeutet und als Handelsware, ge- oder verkauft werden kann.

        Die Tierschutzgesetzgebung hat bisher an dieser traurigen Rechtslage, das heißt an der völligen Rechtlosigkeit der Tiere, nichts geändert, denn – wie schon Arthur Schopenhauer vor weit mehr als 150 Jahren erkannte – „erst wenn jene einfache und über allen Zweifel erhabene Wahrheit, daß die Thiere in der Hauptsache und im Wesentlichen ganz das Selbe sind, was wir, in´s Volk gedrungen seyn wird, werden die Thiere nicht mehr als rechtlose Wesen dastehn“.*

        Diese Wahrheit muss nicht nur, wie Schopenhauer  hoffte, „in´s Volk gedrungen seyn“; sie muss auch in Wahlen zum Ausdruck kommen. Es liegt an den Wählern, das schreiende Unrecht, die Rechtlosigkeit der Tiere, zu beenden. Immerhin gibt es seit mehr als 25 Jahren eine Tierschutzpartei, in derem Grundsatzprogramm ein Thema ganz an der Spitze steht: Die Rechte der Tiere, denn – so heißt es in der Begründung –  „noch niemals sind Tiere in so riesiger Zahl tagtäglich derart gequält worden, wie dies in unserer Zeit der Fall ist“

H.B.

Übersicht zum Thema  > Tierethik und Tierrechte

* Das obige Schopenhauer-Zitat ist aus: Arthur Schopenhauer´s  sämmtliche Werke, hrsg. v. J. Frauenstädt, 2. Aufl., Leipzig 1919, Band. 6, S. 403.
Weiteres zu Arthur Schopenhauer und seiner Philosophie > hier.