Europawahl 2014 : Tierschutz und Parteien

Welche Bedeutung hat der Tierschutz für die Parteien bei der Europawahl 2014? Ich habe mir hierzu die von der Bundeszentrale für politische Bildung > online veröffentlichten Profile der an der Europawahl 2014 teilnehmenden Parteien angesehen. Das Ergebnis ist – jedenfalls aus Sicht der Tierethik und daher auch für mich – äußerst enttäuschend. Als einzigen Lichtblick in dieser Hinsicht fand ich dort nur eine Partei, für die der Tierschutz ein wirkliches Anliegen ist, nämlich die Tierschutzpartei. Zu dieser Partei heißt es auf der Webseite der Bundeszentrale, von der ich wohl annehmen darf, dass sie einigermaßen objektiv ist: „Das Kernanliegen der Tierschutzpartei ist ein konsequenter Umwelt- und Tierschutz, etwa durch die Aufnahme von Grundrechten für Tiere in Grundgesetz und europäische Verträge.“  Ergänzend dazu verweist die Bundeszentrale auf das Grundsatzprogramm der Tierschutzpartei, in welchem die Partei die Aufnahme eines eigenen Tierschutzartikels in das Grundgesetz fordere. Damit unterstreiche sie ihre Forderung nach Abkehr vom anthropozentrischen Denken, bei welchem allein der Mensch im Mittelpunkt steht. Genau darum geht es auch in der Tierethik.

Entsprechend ihrem Grundsatzprogramm ist das Programm der Tierschutzpartei zur Europawahl 2014. So lägen die Schwerpunkte der Partei, wie die Bundeszentrale betont, im Tier- und Umweltschutz. In ihrem Programm kritisiere die Partei den unzureichenden europäischen Tierschutz und spräche sich deutlich gegen Massentierhaltung und Tierversuche aus. Die Tierschutzpartei fordere eine Überarbeitung des Vertrages von Lissabon im Hinblick auf Tierschutz, Tierrechte, Umweltschutz, und zwar z. B. durch einen grundlegenden Tierschutzartikel. Darüber hinaus gehören zu den wichtigsten Forderungen der Tierschutzpartei ein vollständiges Jagdverbot und ( was keineswegs unwichtig ist ) eine Erhöhung des EU-Budgets für Tierschutz. Wer es noch genauer wissen will und sich z. B. für die ebenfalls zentralen Ziele der PARTEI MENSCH UMWELT TIERSCHUTZ (wie die Tierschutzpartei mit ihrem vollen Namen heißt) im Bereich des Umweltschutzes interessiert, dem empfehle ich, sich deren Europawahlprogramm zu besorgen. Es lohnt sich.

Mit dem (oben auszugsweise dargestellten) Profil der Tierschutzpartei zeigt die Bundeszentrale für politische Bildung, dass alle, denen das Wohl der Tiere am Herzen liegt, bei der Europawahl 2014 durchaus die Möglichkeit haben, ihre Stimme für den Tierschutz abzugeben. Für mich als Tierrechtler ist Tierethik nicht bloß eine philosophisch-theoretische Frage, sondern vor allem ein höchst politisches Anliegen, was – wie ich meine – im Wahlprogramm der Tierschutzpartei deutlich zum Ausdruck kommt. Deshalb kann ich, worin mich die Infos der Bundeszentrale bestärken, bei der Europawahl 2014 nur eine Partei wählen – die Tierschutzpartei!

Übrigens, allein schon im Hinblick darauf, dass bei der Europawahl 2014 erstmalig keine %-Hürde gilt und die Ergebnisse der Tierschutzpartei bei den vorigen Europawahlen erfreulich waren, dürfte das Argument der „verlorenen Stimme“ weniger denn je gelten. So zählt nun gerade bei der Europawahl 2014 jede Stimme für die Tierschutzpartei als Stimme für die Tiere!

hb

Tierschutzpartei : Europawahl 2009 > Ergebnisse

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Tierschutzpartei zur Europawahl 2014 zugelassen

Sehr ermutigend für alle Tierfreunde: Die Tierschutzpartei wurde, wie der Bundeswahlleiter mitteilte, zur Europawahl 2014 zugelassen.

Nachdem laut Urteil des Bundesverfassungsgerichts für die Europawahl 2014 keine Prozenthürde mehr besteht, hat die Tierschutzpartei sehr gute Chancen, künftig im Europaparlament vertreten zu sein, denn bei der letzten Europawahl (2009), wo leider noch die Prozenthürde galt, konnte die Tierschutzpartei 1,1% aller Wählerstimmen gewinnen. Dieser Prozentsatz reicht nunmehr aus, um mindestens einen Sitz im Europarlament zu erhalten.

Ja mehr noch: Die Tierschutzpartei konnte für die Beteiligung an der Europawahl 2014 innerhalb erstaunlich kurzer Zeit weit mehr als die nach dem Wahlgesetz erforderliche Zahl an Unterstützungsunterschriften sammeln. Hierdurch wird deutlich, dass das Wählerpotential der Tierschutzpartei erheblich größer ist, als es in deren  Wahlergebnissen bisher zum Ausdruck kam.

So bietet die Europawahl 2014 erstmalig eine realistische Chance, dass die  Tiere im Europaparlament eine Stimme bekommen, und zwar durch eine Partei, die Tierschutzpartei, die sich entsprechend ihrem Grundsatzprogramm überzeugend für das Recht der Tiere auf Leben und Gesundheit einsetzt.

Das Argument der verlorenen Stimme gilt bei der Europawahl 2014 nach dem Wegfall der Prozenthürde nicht mehr. Alle Wähler, denen das Wohl der Tiere wirklich  am Herzen liegt, müssen sich deshalb nun ernsthaft fragen, ob sie es gerade auch in ethischer Hinsicht verantworten können, Parteien zu wählen, für die der Tierschutz – wenn überhaupt –  nur ein nachrangiges Thema ist. Die Antwort kann dann eigentlich nur sein: Tierschutzpartei wählen, damit die Chance, welche die Europawahl 2014 bietet, nicht vertan wird!

hb

Tierschutzpartei : Europawahl 2009 > Ergebnisse

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Tierschutzpartei und Bundestagswahl 2013 : Ergebnisse

Die Tierschutzpartei war bei der Bundestagswahl 2013 die einzige Partei, die laut ihrem Grundsatzprogramm für konsequenten Tierschutz und mithin für eine überzeugende Tierethik eintritt. Dementsprechend werden für viele, denen der Tierschutz am Herzen liegt, die Wahl- ergebnisse der Tierschutzpartei von besonderem Interesse sein. Deshalb habe ich diese Ergebnisse, und zwar zum Vergleich von 1994 an, gegliedert nach Stimmenzahl, Prozentanteil und Bundesländern, im Internet (> hier) veröffentlicht.

Insgesamt hat die Tierschutzpartei bei der Bundestagswahl 2013 einen Stimmenanteil von 0,3% (2009: 0,5%) erreicht. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Tierschutzpartei wegen des Wahlrechts, das die kleinen Parteien erheblich benachteiligt, nur in 5 Bundes- ländern wählbar war. Diese Länder haben laut Angabe des Bundeswahlleiters nur einen Anteil von 41,9% an der Gesamtzahl aller Wahlberechtigten in Deutschland. Somit konnte die Tierschutzpartei von weit mehr als die Hälfte aller Wahlberechtigten nicht gewählt werden.

Der Rückgang des Stimmenanteils der Tierschutzpartei im Gesamtergebnis der Bundestags- wahlen 2013 im Vergleich zu 2009 ist beachtlich. Berücksichtigt man jedoch nur die Bundesländer, in denen die Tierschutzpartei 2009 und 2013 zur Wahl antrat (Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen), so zeigt sich, dass die Tierschutzpartei ihren Stimmenanteil sogar noch etwas erhöhen konnte. Auch hieran wird deutlich, wie wichtig es ist, dass die Tierschutzpartei in allen Bundesländern durch aktive Landesverbände vertreten ist.

Hierbei ist auch die kommunale Ebene von großer Bedeutung: Von den Wahlkreisen, wo die Tierschutzpartei wählbar war, erhielt sie beispielsweise im Wahlkreis 055 (Bremen II – Bremerhaven) 1,2% der Stimmen. Das zeigt, dass es für diese Partei bei Kommunalwahlen, die keine %-Hürde haben, durchaus möglich ist, in die Kommunalparlamente zu kommen. Leider hat die Tierschutzpartei sich bisher kaum an Kommunalwahlen beteiligt, was aber notwendig wäre, um bei den Wählern weit mehr als bisher bekannt zu werden.

Der Deutsche Tierschutzbund vertritt mehr als 800.000 Tierschützer. Darüber hinaus gibt es noch viele Menschen, die zwar keinem Tierschutzverein angehören, denen aber dennoch der Tierschutz ein ernsthaftes Anliegen ist. Wenn ich an diese für den Tierschutz ermutigende Tat- sache denke und mir die Wahlergebnisse ansehe, dann komme ich zu dem Schluss, dass es der Tierschutzpartei leider bisher nicht gelungen ist, ihr großes Wählerpotential auszuschöpfen. Ich hoffe, dass die Chance, den Tierschutz durch die Tierschutzpartei auf politischem Gebiet entscheidend voranzubringen, von möglichst allen, die wirklich Tierfreunde oder sogar aktive Tierschützer sind, endlich genutzt wird.
hb

Tierschutzpartei > Wahlergebnisse

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Bundestagswahl 2013: Parteien und Tierschutz

Zum Tierschutz in der Bundestagswahl 2013 hat die Albert-Schweitzer-Stiftung nicht nur den bisher im Bundestag vertretenen, sondern auch einigen kleineren Parteien 18 Wahlprüfsteine vorgelegt. Hierbei wurden auch folgende Parteien, die ich hier nur in Kurzbezeichnung nenne, befragt, und zwar in dieser Reihenfolge: Piraten, ÖDP, Tierschutzpartei, Violette, AfD.

Die Wahlprüfsteine, die von der Stiftung in ihrer Website veröffentlicht wurden, betreffen die wohl brennendsten Probleme des Tierschutzes, wobei die Antworten der Parteien durchaus aufschlussreich sind. Bereits in der Zusammenfassung der Antworten wird sehr deutlich, dass CDU/CSU und FDP fast in allen Punkten wesentliche Verbesserungen für den Tierschutz nicht für erforderlich halten. Die mehr links orientierten Parteien (SPD, Linke, Grüne) äußern sich da erheblich positiver zum Tierschutz, jedoch ausgenommen zur Frage des Schächtens. Hiernach setzen sich, wie die Albert-Schweitzer-Stiftung die Antworten der genannten linken Parteien zusammenfasst, diese Parteien nicht dafür ein, dass das Schächten eingeschränkt wird. Für jeden wirklichen Tierschützer ein sehr bedauerliches Verhalten!

Vor einem endgültigen Urteil sollte man jedoch nicht bloß die Zusammenfassung, sondern auch den vollen Wortlaut der Antworten lesen. Das ist etwa hinsichtlich der ÖDP der Fall, wo zum Prüfstein „Verbot der Käfighaltung von Kaninchen” die Antwort der ÖDP mit „eher nein” zusammengefasst wird. Das scheint mir eine etwas irreführende Verkürzung zu sein, denn die ganze Antwort lautet: ”Die ÖDP setzt sich für die artgerechte Haltung von allen Tieren, natürlich auch von Kaninchen, ein.” Im übrigen sind die Antworten der ÖDP zum Tierschutz im Vergleich zu den etablierten Parteien durchaus tierfreundlich.

Selbstverständlich übertrifft die Tierschutzpartei in ihrer positiven und überzeugenden Einstellung zum Tierschutz alle anderen Parteien, so dass eigentlich diejenigen, denen das Wohl der Tiere wirklich am Herzen liegt, nur die Tierschutzpartei wählen können. Leider ist diese Partei zur Bundestagswahl 2013 nicht in allen Bundesländern wählbar. Daher müssen sich die Tierfreunde in den Bundesländern, in welchen die Tierschutzpartei nicht antritt, nach einer glaubhaften Alternative umsehen. Aber welche andere Partei ist, was Tierschutz angeht, glaubhaft? Versprechen können diese Parteien vor den Wahlen vieles, um so die Stimmen der Tierfreunde einzufangen. Bei den Parteien, die bereits auf Bundes- oder Landesebene in den Regierungen vertreten waren oder noch sind, lässt sich aber deren Glaubwürdigkeit überprüfen, und da ist das Ergebnis leider eher enttäuschend, ja oft sogar tief enttäuschend. Um so mehr ist zu hoffen, dass es der Tierschutzpartei künftig möglich sein wird, sich an allen wichtigen Wahlen zu beteiligen, um endlich den Tierfreunden in ganz Deutschland eine überzeugende Alternative bieten zu können.
hb

Tierschutzpartei : Ergebnisse der Bundestagswahlen 1994-2013 > hier

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Jagd und Naturschutz

Immer mehr Menschen lehnen, zumindest in unserem Land, den Jagd“sport“ ab. Die Jäger geraten so zunehmend unter Druck und sehen sich gezwungen, ihr blutiges Freizeitvergnügen zu rechtfertigen. Eines der Argumente, das sie hierzu vorbringen, ist der Naturschutz. Zum Beispiel behaupten sie, dass die Jagd den Wildbestand regulieren und dadurch den Wald vor großen Schäden schützen würde. Das ist eine bloße Schutzbehauptung, welche die Wahrheit verdreht und die tatsächlichen Hintergründe für die Jagd bewusst verschleiert. Das geht meiner Meinung nach deutlich auch aus einem sehr lesenswerten Buch hervor, dessen Verfasser, Peter Wohlleben, zu diesem Thema durchaus kompetent ist, denn er ist Förster. Der Titel des Buches lautet: „Kranichflug und Blumenuhr“.

Der wahre Grund für die großen Wildschweinbestände, so stellt (auf Seite 133) der sachkundige Autor fest, “liegt in dem Verhalten der Jäger: Obwohl sie ebenfalls lauthals die steigende Population beklagen, füttern sie ganzjährig an verborgenen Stellen im Wald, um genügend Tiere jagen zu können. Pro erlegtes Wildschwein beträgt die durchschnittliche Futtermenge 130 Kilogramm Körnermais.”

Zu diesem Buch las ich in Buchhhexe eine sehr informative Rezension, welche die wirklichen Zusammenhänge klar und deutlich zum Ausdruck bringt. Dort heißt es:

“Ein weiterer Pluspunkt ist der kritische Umgang des Autors mit landläufigen Meinungen: So räumt er zum Beispiel mit der weit verbreiteten Meinung auf, dass Wildschweine sich wegen des Klimas oder erhöhtem Nahrungsangebot so unkontrolliert verbreiten (und angeblich gejagt werden müssen, um die Bestände zu verkleinern). Tatsächlich sind es die Jäger selbst, die die Tiere füttern und damit für die steigende Population und die ´Wildschweinplagen` sorgen – um sie dann selbst legitimiert abschießen zu dürfen. Eine Heuchelei sondergleichen: Die beklagte Plage wurde selbst erschaffen, um sie anschließend zu bekämpfen. Peter Wohlleben, selbst ein Förster, zeigt diesen Umstand auf und meint, nur ein Verbot der Fütterung wäre wirksam gegen die wachsenden Wildschwein- und Rehbestände – das jedoch weiß die Jagdlobby selbst zu verhindern! Dass die Tiere zudem in die Städte flüchten und hier für Ärger sorgen, geht ebenfalls auf das Konto der Jagd: Nur in der Stadt müssen Tiere wie Wildschweine den Menschen nicht fürchten, während sie außerhalb in ständiger Angst vor der Unmenge an Jagdscheininhabern in Deutschland leben müssen. Die Jagd ist also keinesfalls die unverzichtbare Lösung für ein Problem, sie schafft das Problem erst selbst!“

Diesem Urteil schließe ich mich voll an. Das von Buchhexe ausgezeichnet rezensierte Buch bestärkt mich in der Erkenntnis: Nicht die Tiere, sondern die Jäger und ihre Lust am Töten sind das eigentliche Problem!

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Kant , Schopenhauer und die Tiere

Kant , so schrieb Arthur Schopenhauer,” ist ein großer Geist, dem die Menschheit unvergessliche Wahrheiten verdankt” und „vielleicht der originellste Kopf, den jemals die Natur hervorgebracht hat“. Seine Philosophie wäre „die wichtigste Lehre, welche seit 2000 Jahren aufgestellt worden” sei. Deshalb ist es verständlich, wenn das Hauptwerk von Kant, nämlich „Kritik der reinen Vernunft”, zu einer der Grundlagen für Schopenhauers Philosophie wurde. Doch das hinderte Schopenhauer keineswegs daran, dort, wo er es für notwendig hielt, Kant zu kritisieren, ja zu „rügen”. Ein Beispiel hierfür ist Kants Einstellung zu den Tieren, welche damit zusammenhängt, dass der Vernunft während der Aufklärung, also der Zeit Kants, besonderer Wert beigemessen wurde. Für Kant waren Tiere nur vernunftlose Wesen, mit denen man dehalb nach Belieben schalten und walten könne.

Ganz im Gegensatz hierzu stand Arthur Schopenhauer. Er war nicht nur  Tierfreund, sondern gab – als wohl erster weltbekannter westlicher Philosoph der Neuzeit –  in seiner Philosophie eine sehr tiefe Begründung, warum Mensch und Tier sich nicht absolut, sondern allenfalls nur relativ voneinander unterscheiden würden, ja dass sie im Grunde wesensgleich seien.

In seiner „Preisschrift über die Grundlage der Moral” wandte sich  Schopenhauer deutlich gegen Kants Ethik. Dessen Satz, „dass die vernunftlosen Wesen (also die Tiere) Sachen wären und daher auch bloß als Mittel, die nicht zugleich Zweck sind, behandelt werden dürften”, so Schopenhauer wörtlich, „beleidigt die echte Moral”.

Hierzu zitierte Schopenhauer aus Kants „Metaphysischen Anfangsgründen der Tugendlehre”, wo ausdrücklich gesagt sei: „Der Mensch kann keine Pflicht gegen irgend ein Wesen haben, als bloß gegen den Menschen” und „Die grausame Behandlung der Tiere ist der Pflicht des Menschen gegen sich selbst entgegen; weil sie das Mitgefühl an ihrem Leiden im Menschen abstumpft, wodurch eine der Moralität im Verhältnis zu andern Menschen sehr diensame, natürliche Anlage geschwächt wird.”

Schopenhauer kommentierte diese, jeden Tierfreund abstoßenden Äußerungen Kants sehr treffend: „Also bloß zur Übung soll man mit Tieren Mitleid haben, und sie sind gleichsam das pathologische Phantom zur Übung des Mitleids mit Menschen. Ich finde ,… solche Sätze empörend und abscheulich.”

Immanuel Kant starb 1804. Wenige Jahrzehnte danach entstanden in Deutschland die ersten Tierschutzvereine, die ihren Tierschutz oftmals mit einem anthropozentrischen Argument begründeten, das dem von  Kant ähnlich war. Arthur Schopenhauer, der die Gründung von Tierschutzvereinen sehr begrüßte und in einem von ihnen selbst Mitglied war, lehnte derartige anthropozentrische Argumente entschieden ab:

„Die Tierschutzgesellschaften, in ihren Ermahnungen, brauchen immer noch das schlechte Argument, dass Grausamkeit gegen Tiere zu Grausamkeit gegen Menschen führe; – als ob bloß der Mensch ein unmittelbarer Gegenstand der moralischen Pflicht wäre, das Tier bloß ein mittelbarer, an sich eine bloße Sache! Pfui!”

Schopenhauer verwies in diesem Zusammenhang auf Kants Einstellung Tieren gegenüber, so dass – was Tiere angeht – sein „Pfui” sich auch auf die Kantsche Ethik bezog. Hieran zeigt sich, dass Schopenhauers Tierliebe stärker war als die hohe Verehrung, die er ansonsten Kant und dessen Philosophie entgegenbrachte.  

Der „große Kant”, der „große Geist”, wie ihn Schopenhauer nannte, ist ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass großer Verstand nicht mit großem Mitgefühl, zumindest wenn es sich „nur” um Tiere handelt, verbunden sein muss. Bei Arthur Schopenhauer war beides – großer Scharfsinn und eine ausgeprägte Fähigkeit zur Empathie mit Mensch und Tier, was in seiner Mitleidsethik, in der Tiere voll einbezogen sind, zum Ausdruck kommt. Seine Mitleidsethik ist eine wesentliche Ergänzung zu Kants Philosophie. Auch deshalb ist, wie ich meine, Schopenhauers Anspruch, Vollender der Kantschen Philosophie zu sein, auch im Hinblick auf die Tierethik nicht unberechtigt.
hb

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Tierrettung und die Sinnfrage

Mancher, der sich für den Tierschutz und vielleicht sogar noch für Tierrettung einsetzt, wird sich wohl schon die Frage gestellt haben:  Was hat das für einen Sinn, ein Tier zu retten, wenn sich täglich Millionen von neuen Tierquälereien überall in der Welt ereignen? Käme das nicht dem Versuch gleich, mit einem Teelöffel das Meer auszuschöpfen?

Für mich selbst ergibt sich diese Frage nicht, weil ich es einfach aus Mitgefühl für notwendig halte, Tieren zu helfen, auch wenn es leider nicht mehr sein kann als der berühmte „Tropfen auf den heißen Stein“. Vor einiger Zeit hatte ich dazu eine kleine Geschichte gelesen. Ich weiß zwar nicht mehr wo, aber ich hatte sie mir abgeschrieben, da sie, wie ich finde, die Sinnfrage sehr treffend beantwortet :

Es war einmal ein alter Mann, der jeden Morgen einen Spaziergang am Meeresstrand machte. Eines Tages sah er einen kleinen Jungen, der vorsichtig etwas aufhob und ins Meer warf. Er rief: „Guten Morgen. was machst Du da?“

Der Junge richtete sich auf und antwortete: „Ich werfe Seesterne ins Meer zurück. Es ist Ebbe, und die Sonne brennt herunter. Wenn ich es nicht tue, dann sterben sie.“

„Aber, junger Mann“, erwiderte der alte Mann, „ist dir eigentlich klar, dass hier Kilometer um Kilometer Strand ist. Und überall liegen Seesterne. Du kannst unmöglich alle retten, das macht doch keinen Sinn.“ …

Der Junge hörte höflich zu, bückte sich, nahm einen anderen Seestern auf und warf ihn lächelnd ins Meer.

„Aber für diesen einen hier macht es Sinn!“
hb

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