Magnus Schwantje – Tierschützer und Schopenhauerianer

          Vor 60 Jahren starb Magnus Schwantje – einer der bedeutendsten Persönlichkeiten, die sich für den Tierschutz und Vegetarismus  in Deutschland und darüber hinaus einsetzten. Geboren 1877 in Oldenburg, war er von 1901 bis 1904 Vorsitzender des Berliner Tierschutzvereins, 1907 Gründer der Gesellschaft zur Förderung des Tierschutzes und zwischen 1912 und 1915 Herausgeber der Monatsschrift Ethische Rundschau.

      Besonders  in seiner Tierethik stand Magnus Schwantje der Philosophie Schopenhauers und dessen Mitleidsethik sehr nahe. Ja, man kann ihn mit Recht als Schopenhauerianer bezeichnen. Seine Nähe zu Arthur Schopenhauer war durchaus kein Zufall, denn Schopenhauer war mit seiner Philosophie ein Wegbereiter für Tierethik und Tierrechte und förderte nach Kraften die Gründung von Tierschutzvereinen in Deutschland, wobei er zu den ersten Mitgliedern des 1841 gegründeten Frankfurter Tierschutzvereins gehörte.

Magnus-SchwantjeMagnus Schwantje
( 1877-1959 )

       Bereits im Ersten Jahrbuch der Schopenhauer-Gesellschaft (1912) wird Magnus Schwantje im Verzeichnis der Mitglieder genannt. Außerdem wurde in diesem Jahrbuch ein Beitrag von Schwantje aus dessen Ethischer Rundschau veröffentlicht, der zeigt, wie sehr seine Ethik mit Schopenhauers Philosophie im Zusammenhang steht:

          “ Es ist betrübend zu sehen, wie viele sittlich strebende Menschen in unserer Zeit eine philosophische Begründung ihres sittlichen Wollens und eine Richtschnur für ihr Handeln in den seichten Werken von Modeschriftstellern suchen, während die unermeßlichen Schätze der Werke Schopenhauers ihnen unbekannt bleiben. In unserer Zeit wird allerdings oft die Ansicht ausgesprochen, daß die Lehren Schopenhauers auf das sittliche Streben nur unheilvoll Wirken könnten, da eine pessimistische Weltanschauung, wie sie in seinen Werken dargestellt sei, die Tatkraft lähme ; ja, oft wird der Pessimismus sogar als die Frucht einer materialistischen und egoistischen Gesinnung hingestellt. Tatsächlich muß gerade ein idealistisch gesinnter und mitleidiger Mensch, wenn er mutig und unbefangen die Wahrheit erforscht, zu einer pessimistischen Weltanschauung kommen; und gerade diese erzeugt den höchsten Opfermut. Wer von der Wirklichkeit befriedigt wird, kann kein Bedürfnis fühlen, sich ein Ideal zu bilden und ihm nachzustreben.

          Freilich kann der Pessimismus auch das Ergebnis von Enttäuschungen egoistischen Strebens sein, und dann bestärkt er meistens die Selbstsucht des Menschen. Aber ein Pessimismus, der aus einer idealistischen und altruistischen Gesinnung erwächst, lähmt nicht den Trieb zum Wirken. Ebenso wie die Erkenntnis der Beschränktheit unseres Intellektes nicht den Trieb vernichtet, alles zu erforschen, was unserer Erkenntnis erreichbar ist, so kann die Erkenntnis, daß alle Liebestätigkeit die schlimmsten Übel der Welt nicht ausrotten kann, nicht den Trieb lähmen, diejenigen Leiden zu verhüten, die wir verhüten können; ja, gerade eine pessimistische Weltanschauung führt oft zu dem Verzicht auf eigenes Glück, der alle Kräfte frei macht zum Wirken für andere.

        Während also die Furcht vor dem Pessimismus Schopenhauers in den meisten Fällen einer kurzsichtigen Denkweise entspringt, haben einige seiner politischen Ansichten und seiner Ansichten über die Frauen gerade viele derjenigen Menschen von einer Prüfung seiner Werke zurückgehalten, denen Schopenhauer eine Klärung und Vertiefung ihrer eigenen Anschauungen und eine erhebende, tröstende und stärkende Erbauung geben könnte. Wie die Werke jedes andern philosophischen Genies, sind auch die Schopenhauers nicht frei von Fehlern; und zu diesen rechne ich hauptsächlich einige seiner politischen Ansichten und seiner Ansichten über die Frauen. Aber den wenigen einseitigen und übertreibenden Urteilen steht in Schopenhauers Werken eine Fülle der tiefsinnigsten Lehren gegenüber, wie wir sie kaum in den Werken irgend eines andern Menschen finden.

           Auch seine Moral-Philosophie gehört zu dem Wertvollsten, was je ein Genie der Menschheit gegeben hat. Es würde einen höchst segensreichen Einfluß auf die sittliche Entwicklung der Menschheit ausüben, wenn diese Lehre allgemeine Anerkennung fände. Insbesondere die Erkenntnis, daß wir den Antrieb zu allem moralischen Handeln nicht durch ein Gebot der Vernunft, sondern durch das Mitleid empfangen, würde die Menschen befähigen, sowohl die Handlungen des Einzelnen, wie die politischen und sozialen Verhältnisse und die Bestrebungen ethischer Vereine mit tieferem moralischem Verständnis zu beurteilen. Sie würde auch bewirken, daß die Menschen jedes Wesen nicht nach dem Grade seiner Fähigkeit zum abstrakten Denken, sondern nach dem Grade seines Mitgefühls schätzen und lieben, und daß sie an den Leiden und Freuden aller Wesen, nicht nur der Menschen, inniger teilnehmen.

             Damit wäre auch die Scheidewand niedergerissen, welche der Mensch hochmütig zwischen sich und der Tierwelt aufgerichtet hat; denn wenn auch die Erkenntniskraft des Menschen die der Tiere weit überragt, so sehen wir doch bei unbefangener Beobachtung, daß die Tiere ebensosehr wie wir Lust und Schmerz fühlen, und daß sie heute durch die Schuld des Menschen schwer leiden. Die Änderung der Ansichten von den Tieren und die dadurch bewirkte Verstärkung der Bestrebungen zum Schutze der Tiere, insbesondere des Vegetarismus, des Kampfes gegen die Vivisektion und des Kampfes gegen das Jagdvergnügen, würden aber nicht nur eine ungeheure Menge von Qualen unschuldiger Wesen beseitigen, sondern auch sowohl die Lebensführung wie die Anschauungen der Menschheit wesentlich umgestalten und veredeln. Alle diese und ähnliche Bestrebungen finden ihre wissenschaftliche Begründung und damit ihre kräftigste Stütze in der Philosophie Schopenhauers.”

            Es sind inzwischen mehr als 100 Jahre vergangen, aber dennoch trifft nach wie vor zu, was Magnus Schwantje in seiner Ethischen Rundschau  mit einem Bild Arthur Schopenhauers als Motto voranstellte, nämlich das Schopenhauer-Wort:

       Das Mitleid ist die alleinige echt moralische Triebfeder – Die von mir aufgestellte moralische Triebfeder bewährt sich als die echte … dadurch, daß sie auch die Tiere in ihren Schutz nimmt.

H.B.

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Rechtlose Tiere

        Nach langem Kampf wurde der Tierschutz 2002 endlich als Staatsziel in das deutsche Grundgesetz aufgenommen. Der Deutsche Tierschutzbund schreibt dazu auf seiner Website (Stand: 01.03.2019):

        „Das Mensch-Tier-Verhältnis ist durch die Verfassungsergänzung aber nicht vom einen auf den anderen Tag revolutioniert worden. Tierversuche waren nicht automatisch verboten und auch die industriellen Massentierhaltungen mussten nicht schließen. Andererseits ist das Staatsziel Tierschutz aber auch keine „nutzlose Verfassungslyrik“. Die Staatszielbestimmung verpflichtet die Staatsgewalten, dem Tierschutz zu einem möglichst hohen Stellenwert in unserem Rechts- und Wertesystems zu verhelfen.“

        Wie wenig sich seitdem in Wirklichkeit geändert hat und wie sehr die Tiere nach wie vor rechtlos geblieben sind, zeigt zum Beispiel eine Nachricht, die die Berliner Zeitung vom 01.03.2019 (S. 28) unter der Überschrift Stadt pfändet Mops und verkauft ihn bei Ebay veröffentlichte:

         „Die westfälische Stadt Ahlen hat zum Eintreiben von Schulden einen Mops gepfändet und bei Ebay für 750 Euro verkaufen lassen. Zuvor seien bei der Familie, die Schulden bei der Stadt habe, bereits nicht täglich benötigte Haushaltsgeräte beschlagnahmt worden, erläuterte der Kämmerer – laut Zwangsvollstreckungsgesetz könne wertvoller Besitz wie der Familien-Mops Edda gepfändet werden.“

        Hiernach steht der Hund, also ein Tier, das mit dem Menschen eng zusammenlebt und oft Teil seiner Familie ist, nach unserer Rechtsordnung in einer Reihe mit „nicht benötigten Haushaltsgeräten“. Dadurch wird leider erneut überaus deutlich, welchen Stellenwert die Tiere in unserem Rechts-und Wertesystem haben, nämlich den eines Wirtschaftsgutes, das gepfändet, genutzt, ja ausgebeutet und als Handelsware, ge- oder verkauft werden kann.

        Die Tierschutzgesetzgebung hat bisher an dieser traurigen Rechtslage, das heißt an der völligen Rechtlosigkeit der Tiere, nichts geändert, denn – wie schon Arthur Schopenhauer vor weit mehr als 150 Jahren erkannte – „erst wenn jene einfache und über allen Zweifel erhabene Wahrheit, daß die Thiere in der Hauptsache und im Wesentlichen ganz das Selbe sind, was wir, in´s Volk gedrungen seyn wird, werden die Thiere nicht mehr als rechtlose Wesen dastehn“.*

        Diese Wahrheit muss nicht nur, wie Schopenhauer  hoffte, „in´s Volk gedrungen seyn“; sie muss auch in Wahlen zum Ausdruck kommen. Es liegt an den Wählern, das schreiende Unrecht, die Rechtlosigkeit der Tiere, zu beenden. Immerhin gibt es seit mehr als 25 Jahren eine Tierschutzpartei, in derem Grundsatzprogramm ein Thema ganz an der Spitze steht: Die Rechte der Tiere, denn – so heißt es in der Begründung –  „noch niemals sind Tiere in so riesiger Zahl tagtäglich derart gequält worden, wie dies in unserer Zeit der Fall ist“

H.B.

Übersicht zum Thema  > Tierethik und Tierrechte

* Das obige Schopenhauer-Zitat ist aus: Arthur Schopenhauer´s  sämmtliche Werke, hrsg. v. J. Frauenstädt, 2. Aufl., Leipzig 1919, Band. 6, S. 403.
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Bemerkenswert

Tierethik und Schopenhauers Mitleidsethik

    „Gränzenloses Mitleid mit allen lebenden Wesen“, so erklärte Arthur Schopenhauer in seiner Preisschrift über die Grundlage der Moral, „ist der festeste und sicherste Bürge für sittliches Wohlverhalten … Wer davon erfüllt ist, wird zuverlässig Keinen verletzen, Keinen  beeinträchtigen, Keinem wehe thun, … Jedem helfen so viel  er vermag.“(1)

    Es werde, schrieb Schopenhauer, „Jedem einleuchten, daß zu möglichster Linderung der zahllosen und vielgestalteten Leiden, denen unser Leben ausgesetzt ist und welchen Keiner ganz entgeht, wie zugleich als Gegengewicht des brennenden Egoismus, der alle Wesen erfüllt … die Natur nichts Wirksameres leisten konnte, als daß sie in das menschliche Herz jene wundersame Anlage pflanzte, vermöge welcher das Leiden des Einen vom Andern mitempfunden wird, und aus der die Stimme hervorgeht, welche, je nachdem Anlaß ist, Diesem Schone!  Jenem Hilf! stark und vernehmlich zuruft“(2).

    Deshalb beruhe das Mitleid, wie  Schopenhauer in seiner Preisschrift überzeugend begründete, nicht auf Voraussetzungen, Begriffen, Religionen, Dogmen, Mythen, Erziehung und Bildung; sondern ist ursprünglich und unmittelbar, liegt in der menschlichen Natur selbst“.(3)

    Für Schopenhauer war das Mitleid  die „ächte und natürliche moralische Triebfeder“(4). Das gilt auch für die Tierethik: Da „echte“ Ethik laut Schopenhauer auf dem Mitleid beruht und nicht egoistisch motiviert sein darf, ist, soweit es um Tiere geht, Tierethik stets Mitleidsethik.

    Wie sehr Schopenhauer in seine Mitleidsethik die Tiere einbezog, zeigt sich auch in den Worten,  mit denen er die damals (und leider bis heute) vorherrschende, nur auf den Menschen bezogene Moral anprangerte: „Die von mir aufgestellte moralische Triebfeder bewährt sich als die ächte ferner dadurch, daß sie auch die Tiere in ihren Schutz nimmt, für welche in den andern Europäischen Moralssystemen so unverantwortlich schlecht gesorgt ist. Die vermeintliche Rechtlosigkeit der Tiere, der Wahn , daß unser Handeln gegen sie ohne moralische Bedeutung sei, oder, wie es in der Sprache jener Moral, heißt, daß es gegen Tiere keine Pflichten gebe, ist eine geradezu empörende Rohheit und Barbarei.“(5)

    Die Ursache von Rohheit und Barbarei liegt im Mangel an Mitgefühl. Die Fähigkeit, Mitleid zu empfinden, ist eine Charaktereigenschaft, die – sofern überhaupt vorhanden – tief in der Persönlichkeit des Menschen angelegt ist und sich auch in seinem Verhalten zu Tieren auswirkt. Daher kam Schopenhauer zu dem Schluss:

    „Mitleid mit Tieren hängt mit der Güte des Charakters so genau zusammen, daß man zuversichtlich behaupten darf, wer gegen Thiere grausam ist, könne kein guter Mensch sein.“(6)

    Übrigens, Arthur Schopenhauer gehörte zu den ersten Mitgliedern des 1841 gegründeten Frankfurter Tierschutzvereins. Dessen Arbeit beruht,  wie die wohl aller Tierschutzvereine, auf Mitleidsethik, denn hätte die Natur nicht das Mitleid in das menschliche Herz gepflanzt, es gäbe weder Tierschutzvereine noch Tierethik.

H.B.

Zitatquellen: Arthur Schopenhauer , Zürcher Ausgabe, Werke in zehn Bänden, Zürich 1977,  Band VI,  Preisschrift über die Grundlage der Moral, zu:
(1) S. 275, (2) S. 284 f., (3) S. 252, (4) S. 252, (5) S. 278, (6) S. 281.

Übersicht zum Thema >  Tierethik

Arthur Schopenhauer
Arthur Schopenhauer (1788-1860)

        

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Tierschutzpartei : Tierversuche eine Schande!

Es gibt wohl keine Partei, die Tierversuche so kompromisslos ablehnt wie die Tierschutzpartei. Das geht aus einem Beitrag hervor, den Herbert Becker, Vorstandsmitglied im Landesverband Berlin dieser Partei, auf deren Webseite veröffentlichte. Dort heißt es:

„Mahatma Gandhi bezeichnete die Tierversuche als das schwärzeste von allen schwarzen Verbrechen, deren sich der Mensch heute schuldig macht. Dementsprechend werden im Grundsatzprogramm der Tierschutzpartei völlig zu Recht die Tierversuche als ethisch zutiefst verwerflich angeprangert, da sie die Wehrlosigkeit der Tiere in brutaler Weise ausnutzen. Zu manchen Punkten ihres Programms mag es vielleicht Kompromisse geben – bei Tierversuchen keinesfalls, denn das ausnahmslose Verbot aller Tierversuche ist für die Tierschutzpartei vorrangiges Ziel!

Für das Verbot sämtlicher Tierversuche kämpft die Tierschutzpartei mit größter Entschiedenheit und allen Mitteln, die ihr als Partei legal zur Verfügung stehen. So hat sie dazu gerade kürzlich eine neue Aktion eingeleitet und hierüber die Öffentlichkeit in einer Pressemitteilung unter der Überschrift Nun auch juristisch und höchstgerichtlich: MUTige Schritte gegen Tierversuche informiert.

Manfred Kyber, Schriftsteller und vor 100 Jahren im Vorstand des Berliner Tierschutzvereins, schrieb: Die Vivisektion ist die größte und gemeinste Kulturschande der Gegenwart, sie ist moralisch und intellektuell dem Irrwahn der Hexenprozesse völlig gleichzustellen, und kein Volk, das sie duldet, hat ein Recht, sich ein Kulturvolk zu nennen.

Was Kyber hier beschrieb, trifft leider auch heute noch voll und ganz zu, denn ein aktueller Flyer der Tierschutzpartei trägt über seinem Titelbild die Inschrift Tierversuche / Kulturschande des 21. Jahrhunderts. Damit diese Kulturschande trotz aller Widerstände der Tierversuchslobby endlich der Vergangenheit angehört, wird die Tierschutzpartei, wie sie in ihrer bereits erwähnten Pressemitteilung ankündigte, neue Wege beschreiten.“

Aus Sicht der Tierethik ist sehr zu hoffen, dass die Tierschutzpartei und die vielen Menschen, die ein Herz für Tiere haben und daher Tierversuche entschieden ablehnen, auf diesen „neuen Wegen“ endlich erfolgreich sein werden.

hb

Weitere Infos:

Die Tierschutzpartei in Berlin > hier

Arthur Schopenhauer – ein früher Tierversuchsgegner > hier

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Tierschutzpartei : Europawahl 2014

Mitgefühl ist wählbar! – so lautet die Überschrift eines Flyers der Tierschutzpartei zur Europawahl 2014. Dieser Satz hat mich wirklich berührt, denn er steht ganz im Gegensatz zur üblichen Wahlwerbung der Parteien mit irgendwelchen Köpfen und Politparolen, die mich zumeist eher langweilen als ansprechen.

Dass sich dieses Mitgefühl nicht allein auf Menschen beschränkt, sondern auch Tiere einschließt, ist auf dem Flyer bereits auf den ersten Blick erkennbar. Vorn in der Mitte ist ein Bild: Nicht ein Politikerkopf  – nein, ein Kaninchen, umrahmt von Küken, ist dort zu sehen! Das Kaninchen, als typisches Versuchstier, weist auf ein zentrales Ziel der Tierschutzpartei hin, nämlich Verbot der Tierversuche in der EU. Hühner sind wie Rinder, Schweine, Kaninchen usw. bevorzugte Opfer der tierquälerischen Massentierhaltung, die in der Landwirtschaft der EU von größter Bedeutung ist. Darüber hinaus gibt es noch viele andere Beispiele, die geradezu erschreckend deutlich zeigen, welch geringen Stellenwert der Tierschutz in der EU hat. 

Leider hat die Tierschutzpartei völlig Recht, wenn sie dazu auf ihrem Flyer feststellt: „Trotz verbindlicher Gesetze und Richtlinien, Tiere vor Schmerzen, Verletzungen und Krankheiten zu bewahren, sind in der Europäischen Union, unserem grenzenlosen Wirtschaftsraum, grenzenlose Tierquälerei und Tierausbeutung nach wie vor an der Tagesordnung.“ Indem sie auf, „die unermesslichen Leiden der Tiere“ hinweist, fordert die Tierschutzpartei, dass endlich der „Tierschutz auf die Agenda der EU-Politik“ kommt und der „Tierschutz in der Europäischen Union nicht länger ein bloßes Lippenbekenntnis bleibt!“

Wenn ich an die etablierten Parteien denke, für die der Tierschutz bestenfalls nur ein Randthema ist, dann halte ich es für wahrscheinlich, dass  der Tierschutz  in der EU weiterhin ein bloßes Lippenbekenntnis bleiben wird. Andererseits bin ich mir aber sicher, dass unter den Wählerinnen und Wählern viele sind, denen das furchtbare Leid der Tiere in der EU nicht gleichgültig ist. Deren Stimme für die Tierschutzpartei hat gerade bei der Europawahl 2014 besonderes Gewicht, weil es bei ihr – im Gegensatz zu den Bundestags- und Landtagswahlen – keine Prozenthürde gibt.

Vielleicht wundert sich nun mancher Leser, dass ich mich in diesem Blog, wo die Tierethik im Mittelpunkt steht, so ausführlich für die Tierschutzpartei einsetze. Die Erklärung hierzu ist einfach: Wie Arthur Schopenhauer in seiner Mitleidsethik begründet, beruht Ethik und damit auch Tierethik auf einem allumfassenden, also auch die Tiere einbeziehenden Mitleid oder, was dem heutigen Verständnis wohl noch eher entspricht, auf Mitgefühl. Die Tierschutzpartei ist die einzige Partei, die dieses Mitgefühl für Tiere als Grundlage politischen Handelns hervorhebt und das im oben erwähnten Flyer deutlich zum Ausdruck bringt.

Über Tierethik zu schreiben ist gut, noch besser aber ist es, Tierethik zu verwirklichen. In dieser  Hinsicht kommt für mich aus den genannten Gründen bei der Europawahl 2014 allein die Tierschutzpartei in Frage. In ihr sehe ich die durchaus reale Chance, den Tieren im Europa-Parlament, das immer wichtiger wird, eine Stimme zu geben. Ob die Tierschutzpartei dort stets alle (vielleicht mitunter sehr unrealistischen) Erwartungen erfüllen kann, vermag ich natürlich nicht mit Sicherheit vorherzusagen – doch auf jeden Fall und ohne jeden Zweifel gilt die Aussage auf dem Flyer der Tierschutzpartei: Die Tiere haben Ihre Stimme verdient!

hb

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Kant , Schopenhauer und die Tiere

Kant , so schrieb Arthur Schopenhauer,” ist ein großer Geist, dem die Menschheit unvergessliche Wahrheiten verdankt” und „vielleicht der originellste Kopf, den jemals die Natur hervorgebracht hat“. Seine Philosophie wäre „die wichtigste Lehre, welche seit 2000 Jahren aufgestellt worden” sei. Deshalb ist es verständlich, wenn das Hauptwerk von Kant, nämlich „Kritik der reinen Vernunft”, zu einer der Grundlagen für Schopenhauers Philosophie wurde. Doch das hinderte Schopenhauer keineswegs daran, dort, wo er es für notwendig hielt, Kant zu kritisieren, ja zu „rügen”. Ein Beispiel hierfür ist Kants Einstellung zu den Tieren, welche damit zusammenhängt, dass der Vernunft während der Aufklärung, also der Zeit Kants, besonderer Wert beigemessen wurde. Für Kant waren Tiere nur vernunftlose Wesen, mit denen man dehalb nach Belieben schalten und walten könne.

Ganz im Gegensatz hierzu stand Arthur Schopenhauer. Er war nicht nur  Tierfreund, sondern gab – als wohl erster weltbekannter westlicher Philosoph der Neuzeit –  in seiner Philosophie eine sehr tiefe Begründung, warum Mensch und Tier sich nicht absolut, sondern allenfalls nur relativ voneinander unterscheiden würden, ja dass sie im Grunde wesensgleich seien.

In seiner „Preisschrift über die Grundlage der Moral” wandte sich  Schopenhauer deutlich gegen Kants Ethik. Dessen Satz, „dass die vernunftlosen Wesen (also die Tiere) Sachen wären und daher auch bloß als Mittel, die nicht zugleich Zweck sind, behandelt werden dürften”, so Schopenhauer wörtlich, „beleidigt die echte Moral”.

Hierzu zitierte Schopenhauer aus Kants „Metaphysischen Anfangsgründen der Tugendlehre”, wo ausdrücklich gesagt sei: „Der Mensch kann keine Pflicht gegen irgend ein Wesen haben, als bloß gegen den Menschen” und „Die grausame Behandlung der Tiere ist der Pflicht des Menschen gegen sich selbst entgegen; weil sie das Mitgefühl an ihrem Leiden im Menschen abstumpft, wodurch eine der Moralität im Verhältnis zu andern Menschen sehr diensame, natürliche Anlage geschwächt wird.”

Schopenhauer kommentierte diese, jeden Tierfreund abstoßenden Äußerungen Kants sehr treffend: „Also bloß zur Übung soll man mit Tieren Mitleid haben, und sie sind gleichsam das pathologische Phantom zur Übung des Mitleids mit Menschen. Ich finde ,… solche Sätze empörend und abscheulich.”

Immanuel Kant starb 1804. Wenige Jahrzehnte danach entstanden in Deutschland die ersten Tierschutzvereine, die ihren Tierschutz oftmals mit einem anthropozentrischen Argument begründeten, das dem von  Kant ähnlich war. Arthur Schopenhauer, der die Gründung von Tierschutzvereinen sehr begrüßte und in einem von ihnen selbst Mitglied war, lehnte derartige anthropozentrische Argumente entschieden ab:

„Die Tierschutzgesellschaften, in ihren Ermahnungen, brauchen immer noch das schlechte Argument, dass Grausamkeit gegen Tiere zu Grausamkeit gegen Menschen führe; – als ob bloß der Mensch ein unmittelbarer Gegenstand der moralischen Pflicht wäre, das Tier bloß ein mittelbarer, an sich eine bloße Sache! Pfui!”

Schopenhauer verwies in diesem Zusammenhang auf Kants Einstellung Tieren gegenüber, so dass – was Tiere angeht – sein „Pfui” sich auch auf die Kantsche Ethik bezog. Hieran zeigt sich, dass Schopenhauers Tierliebe stärker war als die hohe Verehrung, die er ansonsten Kant und dessen Philosophie entgegenbrachte.  

Der „große Kant”, der „große Geist”, wie ihn Schopenhauer nannte, ist ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass großer Verstand nicht mit großem Mitgefühl, zumindest wenn es sich „nur” um Tiere handelt, verbunden sein muss. Bei Arthur Schopenhauer war beides – großer Scharfsinn und eine ausgeprägte Fähigkeit zur Empathie mit Mensch und Tier, was in seiner Mitleidsethik, in der Tiere voll einbezogen sind, zum Ausdruck kommt. Seine Mitleidsethik ist eine wesentliche Ergänzung zu Kants Philosophie. Auch deshalb ist, wie ich meine, Schopenhauers Anspruch, Vollender der Kantschen Philosophie zu sein, auch im Hinblick auf die Tierethik nicht unberechtigt.
hb

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Bhagavadgita : Mitleidsethik im Hinduismus

Die Bhagavadgita, “der Gesang des Erhabenen”, ist eines der heiligsten Bücher im Hinduismus und das in Indien wohl am meisten gelesene Buch. Wilhelm von Humboldt bezeichnete sie als “das schönste, ja vielleicht einzig wahrhafte philosophische Gedicht, das alle uns bekannten Literaturen aufzuweisen haben”. Ja mehr noch: Er danke Gott, dass er ihn so lange habe leben lassen, um dieses Gedicht noch lesen zu können! Für Johann Wolfgang von Goethe war es “das Buch, das mich in meinem Leben am meisten erleuchtet hat”.

Zu diesen Geistesgrößen, welche die Bhagavadgita überaus schätzten, gehörte auch  Arthur Schopenhauer. Er hielt die Bhagavadgita für so wertvoll, dass er empfahl, sie zu übersetzen. In der Schrift “Über die Grundlage der Moral”, in welcher Schopenhauer seine auch die Tiere einbeziehende Mitleidsethik ausführlich und meiner Meinung nach sehr überzeugend begründete, zitierte er am Schluss, also gewissermaßen als Höhepunkt, aus Schlegels lateinischer Übersetzung der Bhagavadgita.

Die Mitleidsethik der Bhagavadgita ist im SECHZEHNTEN GESANG enthalten, der mit den Worten des ERHABENEN  beginnt:

“Furchtlosigkeit, Wesensreinheit, in Wissensandacht Festigkeit,
Spenden, Selbstbezähmung, Opfer, Studium, Buße und Redlichkeit;

Nichtschäd´gen, Wahrheit, Nichtzürnen, Nichtverleumden, Friede, Verzicht,
Mitleid mit den Wesen, Scham, Nichtbegier, Nicht-Unstetigsein;

Kraft, Reinheit, Festigkeit, Geduld, Nichtkränken, nicht hochmüt´ger Sinn,
Die finden sich bei einem, der zum Götterlos geboren ist.”

“Mitleid mit den Wesen”, heißt es oben in der Übersetzung der Bhagavadgita aus dem Sanskrit von Leopold von Schroeder. Bei einem Vergleich mit der oft empfohlenen Übersetzung von Richard Garbe fand ich einen sehr ähnlichen Text. Auch hier war das Mitleid auf alle Wesen bezogen, also Tiere eingeschlossen. Hingegen heißt es in der Übersetzung von Robert Boxberger, die durch Helmuth von Glasenapp neu bearbeitet und bei Reclam veröffentlicht wurde, nicht “Mitleid mit den Wesen”, sondern “Menschenliebe”. Diese ganz andere Wortwahl ist auch im Hinblick auf Tierethik durchaus erheblich und bezeichnend!

In der von S. Radhakrishnan mit Einleitung und Kommentar herausgegebenen Bhagavadgita heißt es an der betreffenden Stelle, welche die Überschrift DIE GOTTGLEICHEN trägt, “Mitleid mit den Geschöpfen“. Die hierzu zitierten Sanskritwörter bestätigen, soweit ich feststellen konnte, eindeutig, dass sich die Mitleidsethik der Bhagavadgita nicht auf Menschen beschränkt. Boxbergers Übersetzung beruht vermutlich auf einer  anthropozentrischen Einstellung des Übersetzers, die zwar im Abendland üblich, aber im alten Indien durchaus nicht selbstverständlich war.

Die altindischen Lehren, die in der Bhagavadgita so wunderbar zum Ausdruck kommen, enthalten nicht den fundamentalen Unterschied zwischen Mensch und Tier, wie er für die heute im Abendland vorherrschenden Religionen charakteristisch ist. Gerade hinsichtlich Tierethik stehen diese Religionen im Gegensatz zur Bhagavadgita und ihrer Mitleidsethik. Jedenfalls konnte ich bisher weder in der Bibel noch im Koran irgendetwas entdecken, das auf Mitleid mit Tieren hindeutet.

In diesem Zusammenhang fällt mir wieder Schopenhauer ein, der von einem christlichen Prediger berichtete, den ein Tierschutzverein aufgefordert hätte, eine Predigt gegen die Tierquälerei zu halten. Dieser habe erwidert, dass er die Predigt beim besten Willen nicht halten könne, weil ihm die Religion, also das Christentum, keinen Anhalt  gebe. Schopenhauer fügte dem hinzu: “Der Mann war ehrlich und hatte Recht”. Demgegenüber lobte Arthur Schopenhauer den “Brahmanisten” oder “Buddhaisten”, der “nicht etwa ein te Deum plärrt, sondern auf den Markt geht und Vögel kauft, um vor dem Stadttore ihre Käfige zu öffnen”. Die “Brahmanisten”, wie Schopenhauer die Hindus nannte, handeln damit ganz im Geiste der Mitleidsethik ihres heiligen Buches, der Bhagavadgita.

Es ist nicht allein die Tierethik, die mein Interesse für die Bhagavadgita hervorrief. Vor einigen Jahren las ich von Mahatma Gandhi, der aus tiefster Lebenserfahrung schrieb:

In der Bhagavadgita finde ich einen Trost, den ich selbst in der Bergpredigt vermisse … Wenn ich, verlassen, keinen Lebensstrahl erblicke, greife ich zur Bhagavadgita. Dann finde ich hier und dort eine Strophe und beginne alsbald zu lächeln  inmitten aller niederschmetternden Tragödien …
hb

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Fressen und Gefressen werden

Diese Welt, so las ich bei Arthur Schopenhauer, ist ein „Tummelplatz gequälter und geängstigter Wesen, welche nur dadurch bestehen, dass eines das andere verzehrt, wo daher jedes reißende Tier das lebendige Grab tausend anderer und seine Selbsterhaltung eine Kette von Martertoden ist“.

Hat Schopenhauer mit seiner Diagnose über den Zustand unserer Welt Recht? Ich glaube, er hat da viel Wahres erkannt, weil er die Welt nicht  durch die „rosa-rote Brille” gesehen und dementsprechend beschönigt hat: Überall, wo ich etwas genauer in die Natur schaue, sehe ich ein mörderisches Prinzip am Werk, nämlich Fressen und Gefressen werden.

Auf Fressen und Gefressen werden stoße ich nicht nur in der Natur, sondern auch in der Argumentation mancher Fleischesser. Sie berufen sich auf dieses vermeintliche Naturprinzip, um sich zu rechtfertigen. Sie haben das auch nötig, denn ohne Fleischkonsum gäbe es zum Beispiel keine Massentierhaltung und die damit verbundene furchtbare Tierquälerei.

Wer sich darauf beruft, dass auch unter Tieren das Prinzip von Fressen und Gefressen werden herrsche, vergleicht sich mit Raubtieren. Dieser Vergleich trifft insofern zu, als der Mensch selbst, auch wenn er sich teilweise durch Pflanzen ernährt, ein Raubtier ist. Andererseits gibt es einen wesentlichen Unterschied:  Die nichtmenschlichen Raubtiere müssen zu ihrem Überleben töten, der moderne Mensch hingegen tötet zu seinem Genuss!

Der Mensch versteht sich selbst, worin er vom Christentum noch bestärkt wird, als  „Krone der Schöpfung”. Doch was ist er in Wirklichkeit?

Biologisch gesehen, ist der Mensch ein Ergebnis der Evolution. Diese führte zu einer biologischen Art, nämlich dem Menschen, der andere Wesen nur zum Genuss oder sogar, wie bei der Jagd, aus Lust tötet. Für mich ist das ein Beispiel dafür, dass Evolution auch moralischen Abstieg, also Rückschritt bedeuten kann.

Für den bereits erwähnten Lebensphilosophen Arthur Schopenhauer gab es aber nicht nur das Fressen und Gefressen werden, sondern auch das Gegenteil: das Mitleid. Dieses Mitgefühl ist laut Schopenhauer die natürliche Basis aller Ethik und somit auch von Tierethik. Die Tatsache, dass immer mehr Menschen aus ethischen Gründen zur vegetarischen oder, noch überzeugender, sogar zur veganen Lebensweise übergehen, ist, wie ich finde, ein Beweis, dass Fressen und  Gefressen werden wohl doch nicht das allein herrschende Naturprinzip ist.
hb

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Tiermedizin und Empathie

Tiermedizin ist ein begehrtes Studienfach, das später vielfältige Arbeitsmöglichkeiten bietet. Dazu gehört nicht nur die Praxis des Tierarztes, dem die Besitzer von  Haustieren ihre kranken Tiere bringen. Wie ich kürzlich las, fällt auch der Bereich der Lebensmittelhygiene in die Verantwortung von hierfür ausgebildeten Tierärzten. Demnach kontrollieren sie die Hygienebedingungen in Schlachthöfen oder bei Viehtransporten, wozu auch Fleischuntersuchungen gehören.

Wenn ich daran denke, wie viel Leid und Qual für die Tiere mit der Fleischerzeugung verbunden ist, dann frage ich mich, welche ethische Einstellung zum Tier haben die daran beteiligten Tiermediziner? Die gleiche Frage stellt sich, wenn man an die Tiermediziner denkt, die in der pharmazeutischen Industrie an furchtbaren Tierversuchen mitwirken. Wo ist ihre Empathie Tieren gegenüber, ihr Mitgefühl mit dem Leid der Tiere? Ich vermute, es mangelt ihnen daran, denn sonst könnten sie sich an dieser schrecklichen Nutzung von Tieren  nicht beteiligen.

Sicherlich wissen Tiermediziner mehr über Körper und Krankheit von Tieren als die meisten Tierschützer. Aber ist das nicht nur ein materielles Wissen, bei dem die Tiere nur als Summe ihrer Körperteile verstanden werden, und das vor allem dazu dient, Tiere optimal nutzen zu können?  Jeder Tierfreund, der ein enges Verhältnis zu Tieren hat, weiß früher oder später, dass Tiere ein nichtmaterielles Seelenleben haben. Ihre Erkenntnis, was Tiere wirklich sind, kommt nicht aus akademischen Hörsälen, es kommt aus dem Herzen. Entscheidend ist die Fähigkeit zum Mitleid.

Mitleid ist Ausdruck von Empathie und – wie Arthur Schopenhauer in seiner Philosophie tief begründet darlegte – die Basis der Ethik. Die Fähigkeit zur Empathie, zum Mitleid,  ist, wie Schopenhauer ebenfalls begründete, im Charakter angelegt. Die Universitätsausbildung, selbst wenn sie Vorlesungen über Ethik einschließt, kann nichts wesentliches am Charakter ändern, denn dieser ist weitgehend angeboren bzw. wird in frühster Jugend geprägt.

Ein Tiermediziner, dem es – bedingt durch seine Charakteranlagen – an Empathie gegenüber Tieren fehlt, ist ein Unglück für die Tiere. Ebenso wenig wie  Ethik und damit auch Tierethik kann Empathie durch bloßes Studium oder durch andere Formen von intellektueller Bildung vermittelt werden. Viele Menschen  haben zwar keine akademische Ausbildung in Tiermedizin, haben aber dennoch ein Herz für Tiere.

Im übrigen halte ich das Engagement der „Ärzte gegen Tierversuche“ für ein sehr ermutigendes Zeichen. Hierzu hoffe ich, dass sich daran viele Tiermediziner beteiligen und so meine Zweifel an der Ethik dieses Berufsstandes durch die Praxis weitgehend ausgeräumt werden.
hb

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Tierversuche : Die Macht der Bilder

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Diese Lebensweisheit gilt auch für einen Bereich unserer Gesellschaft, in welchem eine besonders schreckliche Art der Tiernutzung praktiziert wird, nämlich Tierversuche. Es gibt kaum Bilder, die so erschreckend sind, wie die vom Leid der Versuchstiere, wobei die schlimmsten Bilder aus den Versuchslabors wahrscheinlich gar nicht veröffentlicht werden.

Wie sehr solche Bilder auf Menschen wirken, konnte ich während meiner jahrelangen Mitarbeit bei den Tierversuchsgegnern feststellen. So sah ich am Infostand der Tierversuchsgegner, dass Passanten vor den dort gezeigten entsetzlichen Bildern einen großen Bogen um den Stand machten. Sie hatten offensichtlich Angst vor diesen Bildern. Ehrlich gesagt, ich habe hierfür sogar gewisses Verständnis, denn diese Bilder von furchtbar geschundenen Tieren verfolgten mich selbst bis in den Schlaf.

Einerseits ist es unbedingt notwendig, die Öffentlichkeit über das Entsetzliche der Tierversuche aufzuklären, andererseits ist jedoch zu fragen, was nützen abschreckende Bilder, wenn die Menschen vor solcher realistischen Aufklärung Angst haben und sich deshalb ihr entziehen? Wäre es dann nicht besser, wenn die Tierversuchsgegner etwas weniger schreckliche Bilder verwenden, von denen anzunehmen ist, dass die Menschen vor ihnen nicht zurückschrecken, also bereit sind, sich diese überhaupt anzuschauen?

Obige Fragen lassen sich wohl nicht generell beantworten, denn die Fähigkeit und die Bereitschaft der Menschen, wirklich realistische Bilder von Tierversuchen anzusehen und zu verkraften, dürfte individuell sehr verschieden sein. Schon deshalb erfordert die Aufklärungsarbeit der Tierversuchsgegner nicht nur sachliches Wissen, um den beschönigenden Argumenten und Rechtfertigungsversuchen der Tierexperimentatoren erfolgreich begegnen zu können, sondern auch viel psychologisches Einfühlungsvermögen.

Bilder sollten für sich selbst sprechen, so dass Worte eigentlich nicht notwendig wären. Zuweilen können aber auch Worte so eindrucksvoll sein, dass im Kopf des Hörers oder Lesers Bilder entstehen. Ein Beispiel hierzu stammt von Arthur Schopenhauer, der sich über Tierversuche, „das  grausame Opfer auf dem Altar der Wissenschaft”, so äußerte:

„Heut zu Tage hingegen hält jeder Medikaster sich befugt, in seiner Marterkammer die grausamste Tierquälerei zu treiben, um Probleme zu entscheiden, deren Lösung längst in Büchern steht, in welche seine Nase zu stecken, er zu faul und unwissend ist … Besondere Erwähnung verdient die Abscheulichkeit, welche Baron Ernst  von Bibra zu Nürnberg begangen hat …: Er hat zwei Kaninchen planmäßig tothungern lassen! um die ganz müßige und unnütze Untersuchung anzustellen, ob durch den Hungertod die chemischen Bestandteile des Gehirns eine Proportionsveränderung erlitten! Zum Nutzen der Wissenschaft, – n´est-ce-pas (nicht wahr)? Lassen denn diese Herren vom Skalpell und Tiegel sich gar nicht träumen, dass sie zunächst Menschen und sodann Chemiker sind? Wie kann man ruhig schlafen, während man harmlose, von der Mutter gesäugte Tiere unter Schloss und Riegeln hat, den martervollen langsamen Hungertod erleiden? Schreckt man da nicht auf im Schlaf?”

Leider ist das, was Arthur Schopenhauer vor mehr als 150 Jahren beschrieb, im wesentlichen auch heute noch Realität. Damit die wissenschaftliche Tierfolter endlich der Vergangenheit angehört, ist die Macht der Bilder unentbehrlich. Werden die Bilder richtig, also psychologisch optimal, eingesetzt, so werden sie, davon bin ich aus eigener Erfahrung überzeugt, ihre aufrüttelnde Wirkung auf viele Menschen nicht verfehlen. 
hb

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