Tierschutzpartei : Europawahl 2014

Mitgefühl ist wählbar! – so lautet die Überschrift eines Flyers der Tierschutzpartei zur Europawahl 2014. Dieser Satz hat mich wirklich berührt, denn er steht ganz im Gegensatz zur üblichen Wahlwerbung der Parteien mit irgendwelchen Köpfen und Politparolen, die mich zumeist eher langweilen als ansprechen.

Dass sich dieses Mitgefühl nicht allein auf Menschen beschränkt, sondern auch Tiere einschließt, ist auf dem Flyer bereits auf den ersten Blick erkennbar. Vorn in der Mitte ist ein Bild: Nicht ein Politikerkopf  – nein, ein Kaninchen, umrahmt von Küken, ist dort zu sehen! Das Kaninchen, als typisches Versuchstier, weist auf ein zentrales Ziel der Tierschutzpartei hin, nämlich Verbot der Tierversuche in der EU. Hühner sind wie Rinder, Schweine, Kaninchen usw. bevorzugte Opfer der tierquälerischen Massentierhaltung, die in der Landwirtschaft der EU von größter Bedeutung ist. Darüber hinaus gibt es noch viele andere Beispiele, die geradezu erschreckend deutlich zeigen, welch geringen Stellenwert der Tierschutz in der EU hat. 

Leider hat die Tierschutzpartei völlig Recht, wenn sie dazu auf ihrem Flyer feststellt: „Trotz verbindlicher Gesetze und Richtlinien, Tiere vor Schmerzen, Verletzungen und Krankheiten zu bewahren, sind in der Europäischen Union, unserem grenzenlosen Wirtschaftsraum, grenzenlose Tierquälerei und Tierausbeutung nach wie vor an der Tagesordnung.“ Indem sie auf, „die unermesslichen Leiden der Tiere“ hinweist, fordert die Tierschutzpartei, dass endlich der „Tierschutz auf die Agenda der EU-Politik“ kommt und der „Tierschutz in der Europäischen Union nicht länger ein bloßes Lippenbekenntnis bleibt!“

Wenn ich an die etablierten Parteien denke, für die der Tierschutz bestenfalls nur ein Randthema ist, dann halte ich es für wahrscheinlich, dass  der Tierschutz  in der EU weiterhin ein bloßes Lippenbekenntnis bleiben wird. Andererseits bin ich mir aber sicher, dass unter den Wählerinnen und Wählern viele sind, denen das furchtbare Leid der Tiere in der EU nicht gleichgültig ist. Deren Stimme für die Tierschutzpartei hat gerade bei der Europawahl 2014 besonderes Gewicht, weil es bei ihr – im Gegensatz zu den Bundestags- und Landtagswahlen – keine Prozenthürde gibt.

Vielleicht wundert sich nun mancher Leser, dass ich mich in diesem Blog, wo die Tierethik im Mittelpunkt steht, so ausführlich für die Tierschutzpartei einsetze. Die Erklärung hierzu ist einfach: Wie Arthur Schopenhauer in seiner Mitleidsethik begründet, beruht Ethik und damit auch Tierethik auf einem allumfassenden, also auch die Tiere einbeziehenden Mitleid oder, was dem heutigen Verständnis wohl noch eher entspricht, auf Mitgefühl. Die Tierschutzpartei ist die einzige Partei, die dieses Mitgefühl für Tiere als Grundlage politischen Handelns hervorhebt und das im oben erwähnten Flyer deutlich zum Ausdruck bringt.

Über Tierethik zu schreiben ist gut, noch besser aber ist es, Tierethik zu verwirklichen. In dieser  Hinsicht kommt für mich aus den genannten Gründen bei der Europawahl 2014 allein die Tierschutzpartei in Frage. In ihr sehe ich die durchaus reale Chance, den Tieren im Europa-Parlament, das immer wichtiger wird, eine Stimme zu geben. Ob die Tierschutzpartei dort stets alle (vielleicht mitunter sehr unrealistischen) Erwartungen erfüllen kann, vermag ich natürlich nicht mit Sicherheit vorherzusagen – doch auf jeden Fall und ohne jeden Zweifel gilt die Aussage auf dem Flyer der Tierschutzpartei: Die Tiere haben Ihre Stimme verdient!

hb

Übersicht zu den Themen des Tierethik – Blogs > hier

Zum Thema Tierrechte > hier