Magnus Schwantje – Tierschützer und Schopenhauerianer

          Vor 60 Jahren starb Magnus Schwantje – einer der bedeutendsten Persönlichkeiten, die sich für den Tierschutz und Vegetarismus  in Deutschland und darüber hinaus einsetzten. Geboren 1877 in Oldenburg, war er von 1901 bis 1904 Vorsitzender des Berliner Tierschutzvereins, 1907 Gründer der Gesellschaft zur Förderung des Tierschutzes und zwischen 1912 und 1915 Herausgeber der Monatsschrift Ethische Rundschau.

      Besonders  in seiner Tierethik stand Magnus Schwantje der Philosophie Schopenhauers und dessen Mitleidsethik sehr nahe. Ja, man kann ihn mit Recht als Schopenhauerianer bezeichnen. Seine Nähe zu Arthur Schopenhauer war durchaus kein Zufall, denn Schopenhauer war mit seiner Philosophie ein Wegbereiter für Tierethik und Tierrechte und förderte nach Kraften die Gründung von Tierschutzvereinen in Deutschland, wobei er zu den ersten Mitgliedern des 1841 gegründeten Frankfurter Tierschutzvereins gehörte.

Magnus-SchwantjeMagnus Schwantje
( 1877-1959 )

       Bereits im Ersten Jahrbuch der Schopenhauer-Gesellschaft (1912) wird Magnus Schwantje im Verzeichnis der Mitglieder genannt. Außerdem wurde in diesem Jahrbuch ein Beitrag von Schwantje aus dessen Ethischer Rundschau veröffentlicht, der zeigt, wie sehr seine Ethik mit Schopenhauers Philosophie im Zusammenhang steht:

          “ Es ist betrübend zu sehen, wie viele sittlich strebende Menschen in unserer Zeit eine philosophische Begründung ihres sittlichen Wollens und eine Richtschnur für ihr Handeln in den seichten Werken von Modeschriftstellern suchen, während die unermeßlichen Schätze der Werke Schopenhauers ihnen unbekannt bleiben. In unserer Zeit wird allerdings oft die Ansicht ausgesprochen, daß die Lehren Schopenhauers auf das sittliche Streben nur unheilvoll Wirken könnten, da eine pessimistische Weltanschauung, wie sie in seinen Werken dargestellt sei, die Tatkraft lähme ; ja, oft wird der Pessimismus sogar als die Frucht einer materialistischen und egoistischen Gesinnung hingestellt. Tatsächlich muß gerade ein idealistisch gesinnter und mitleidiger Mensch, wenn er mutig und unbefangen die Wahrheit erforscht, zu einer pessimistischen Weltanschauung kommen; und gerade diese erzeugt den höchsten Opfermut. Wer von der Wirklichkeit befriedigt wird, kann kein Bedürfnis fühlen, sich ein Ideal zu bilden und ihm nachzustreben.

          Freilich kann der Pessimismus auch das Ergebnis von Enttäuschungen egoistischen Strebens sein, und dann bestärkt er meistens die Selbstsucht des Menschen. Aber ein Pessimismus, der aus einer idealistischen und altruistischen Gesinnung erwächst, lähmt nicht den Trieb zum Wirken. Ebenso wie die Erkenntnis der Beschränktheit unseres Intellektes nicht den Trieb vernichtet, alles zu erforschen, was unserer Erkenntnis erreichbar ist, so kann die Erkenntnis, daß alle Liebestätigkeit die schlimmsten Übel der Welt nicht ausrotten kann, nicht den Trieb lähmen, diejenigen Leiden zu verhüten, die wir verhüten können; ja, gerade eine pessimistische Weltanschauung führt oft zu dem Verzicht auf eigenes Glück, der alle Kräfte frei macht zum Wirken für andere.

        Während also die Furcht vor dem Pessimismus Schopenhauers in den meisten Fällen einer kurzsichtigen Denkweise entspringt, haben einige seiner politischen Ansichten und seiner Ansichten über die Frauen gerade viele derjenigen Menschen von einer Prüfung seiner Werke zurückgehalten, denen Schopenhauer eine Klärung und Vertiefung ihrer eigenen Anschauungen und eine erhebende, tröstende und stärkende Erbauung geben könnte. Wie die Werke jedes andern philosophischen Genies, sind auch die Schopenhauers nicht frei von Fehlern; und zu diesen rechne ich hauptsächlich einige seiner politischen Ansichten und seiner Ansichten über die Frauen. Aber den wenigen einseitigen und übertreibenden Urteilen steht in Schopenhauers Werken eine Fülle der tiefsinnigsten Lehren gegenüber, wie wir sie kaum in den Werken irgend eines andern Menschen finden.

           Auch seine Moral-Philosophie gehört zu dem Wertvollsten, was je ein Genie der Menschheit gegeben hat. Es würde einen höchst segensreichen Einfluß auf die sittliche Entwicklung der Menschheit ausüben, wenn diese Lehre allgemeine Anerkennung fände. Insbesondere die Erkenntnis, daß wir den Antrieb zu allem moralischen Handeln nicht durch ein Gebot der Vernunft, sondern durch das Mitleid empfangen, würde die Menschen befähigen, sowohl die Handlungen des Einzelnen, wie die politischen und sozialen Verhältnisse und die Bestrebungen ethischer Vereine mit tieferem moralischem Verständnis zu beurteilen. Sie würde auch bewirken, daß die Menschen jedes Wesen nicht nach dem Grade seiner Fähigkeit zum abstrakten Denken, sondern nach dem Grade seines Mitgefühls schätzen und lieben, und daß sie an den Leiden und Freuden aller Wesen, nicht nur der Menschen, inniger teilnehmen.

             Damit wäre auch die Scheidewand niedergerissen, welche der Mensch hochmütig zwischen sich und der Tierwelt aufgerichtet hat; denn wenn auch die Erkenntniskraft des Menschen die der Tiere weit überragt, so sehen wir doch bei unbefangener Beobachtung, daß die Tiere ebensosehr wie wir Lust und Schmerz fühlen, und daß sie heute durch die Schuld des Menschen schwer leiden. Die Änderung der Ansichten von den Tieren und die dadurch bewirkte Verstärkung der Bestrebungen zum Schutze der Tiere, insbesondere des Vegetarismus, des Kampfes gegen die Vivisektion und des Kampfes gegen das Jagdvergnügen, würden aber nicht nur eine ungeheure Menge von Qualen unschuldiger Wesen beseitigen, sondern auch sowohl die Lebensführung wie die Anschauungen der Menschheit wesentlich umgestalten und veredeln. Alle diese und ähnliche Bestrebungen finden ihre wissenschaftliche Begründung und damit ihre kräftigste Stütze in der Philosophie Schopenhauers.”

            Es sind inzwischen mehr als 100 Jahre vergangen, aber dennoch trifft nach wie vor zu, was Magnus Schwantje in seiner Ethischen Rundschau  mit einem Bild Arthur Schopenhauers als Motto voranstellte, nämlich das Schopenhauer-Wort:

       Das Mitleid ist die alleinige echt moralische Triebfeder – Die von mir aufgestellte moralische Triebfeder bewährt sich als die echte … dadurch, daß sie auch die Tiere in ihren Schutz nimmt.

H.B.

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Rechtlose Tiere

        Nach langem Kampf wurde der Tierschutz 2002 endlich als Staatsziel in das deutsche Grundgesetz aufgenommen. Der Deutsche Tierschutzbund schreibt dazu auf seiner Website (Stand: 01.03.2019):

        „Das Mensch-Tier-Verhältnis ist durch die Verfassungsergänzung aber nicht vom einen auf den anderen Tag revolutioniert worden. Tierversuche waren nicht automatisch verboten und auch die industriellen Massentierhaltungen mussten nicht schließen. Andererseits ist das Staatsziel Tierschutz aber auch keine „nutzlose Verfassungslyrik“. Die Staatszielbestimmung verpflichtet die Staatsgewalten, dem Tierschutz zu einem möglichst hohen Stellenwert in unserem Rechts- und Wertesystems zu verhelfen.“

        Wie wenig sich seitdem in Wirklichkeit geändert hat und wie sehr die Tiere nach wie vor rechtlos geblieben sind, zeigt zum Beispiel eine Nachricht, die die Berliner Zeitung vom 01.03.2019 (S. 28) unter der Überschrift Stadt pfändet Mops und verkauft ihn bei Ebay veröffentlichte:

         „Die westfälische Stadt Ahlen hat zum Eintreiben von Schulden einen Mops gepfändet und bei Ebay für 750 Euro verkaufen lassen. Zuvor seien bei der Familie, die Schulden bei der Stadt habe, bereits nicht täglich benötigte Haushaltsgeräte beschlagnahmt worden, erläuterte der Kämmerer – laut Zwangsvollstreckungsgesetz könne wertvoller Besitz wie der Familien-Mops Edda gepfändet werden.“

        Hiernach steht der Hund, also ein Tier, das mit dem Menschen eng zusammenlebt und oft Teil seiner Familie ist, nach unserer Rechtsordnung in einer Reihe mit „nicht benötigten Haushaltsgeräten“. Dadurch wird leider erneut überaus deutlich, welchen Stellenwert die Tiere in unserem Rechts-und Wertesystem haben, nämlich den eines Wirtschaftsgutes, das gepfändet, genutzt, ja ausgebeutet und als Handelsware, ge- oder verkauft werden kann.

        Die Tierschutzgesetzgebung hat bisher an dieser traurigen Rechtslage, das heißt an der völligen Rechtlosigkeit der Tiere, nichts geändert, denn – wie schon Arthur Schopenhauer vor weit mehr als 150 Jahren erkannte – „erst wenn jene einfache und über allen Zweifel erhabene Wahrheit, daß die Thiere in der Hauptsache und im Wesentlichen ganz das Selbe sind, was wir, in´s Volk gedrungen seyn wird, werden die Thiere nicht mehr als rechtlose Wesen dastehn“.*

        Diese Wahrheit muss nicht nur, wie Schopenhauer  hoffte, „in´s Volk gedrungen seyn“; sie muss auch in Wahlen zum Ausdruck kommen. Es liegt an den Wählern, das schreiende Unrecht, die Rechtlosigkeit der Tiere, zu beenden. Immerhin gibt es seit mehr als 25 Jahren eine Tierschutzpartei, in derem Grundsatzprogramm ein Thema ganz an der Spitze steht: Die Rechte der Tiere, denn – so heißt es in der Begründung –  „noch niemals sind Tiere in so riesiger Zahl tagtäglich derart gequält worden, wie dies in unserer Zeit der Fall ist“

H.B.

Übersicht zum Thema  > Tierethik und Tierrechte

* Das obige Schopenhauer-Zitat ist aus: Arthur Schopenhauer´s  sämmtliche Werke, hrsg. v. J. Frauenstädt, 2. Aufl., Leipzig 1919, Band. 6, S. 403.
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Bemerkenswert

Tierethik und Schopenhauers Mitleidsethik

    „Gränzenloses Mitleid mit allen lebenden Wesen“, so erklärte Arthur Schopenhauer in seiner Preisschrift über die Grundlage der Moral, „ist der festeste und sicherste Bürge für sittliches Wohlverhalten … Wer davon erfüllt ist, wird zuverlässig Keinen verletzen, Keinen  beeinträchtigen, Keinem wehe thun, … Jedem helfen so viel  er vermag.“(1)

    Es werde, schrieb Schopenhauer, „Jedem einleuchten, daß zu möglichster Linderung der zahllosen und vielgestalteten Leiden, denen unser Leben ausgesetzt ist und welchen Keiner ganz entgeht, wie zugleich als Gegengewicht des brennenden Egoismus, der alle Wesen erfüllt … die Natur nichts Wirksameres leisten konnte, als daß sie in das menschliche Herz jene wundersame Anlage pflanzte, vermöge welcher das Leiden des Einen vom Andern mitempfunden wird, und aus der die Stimme hervorgeht, welche, je nachdem Anlaß ist, Diesem Schone!  Jenem Hilf! stark und vernehmlich zuruft“(2).

    Deshalb beruhe das Mitleid, wie  Schopenhauer in seiner Preisschrift überzeugend begründete, nicht auf Voraussetzungen, Begriffen, Religionen, Dogmen, Mythen, Erziehung und Bildung; sondern ist ursprünglich und unmittelbar, liegt in der menschlichen Natur selbst“.(3)

    Für Schopenhauer war das Mitleid  die „ächte und natürliche moralische Triebfeder“(4). Das gilt auch für die Tierethik: Da „echte“ Ethik laut Schopenhauer auf dem Mitleid beruht und nicht egoistisch motiviert sein darf, ist, soweit es um Tiere geht, Tierethik stets Mitleidsethik.

    Wie sehr Schopenhauer in seine Mitleidsethik die Tiere einbezog, zeigt sich auch in den Worten,  mit denen er die damals (und leider bis heute) vorherrschende, nur auf den Menschen bezogene Moral anprangerte: „Die von mir aufgestellte moralische Triebfeder bewährt sich als die ächte ferner dadurch, daß sie auch die Tiere in ihren Schutz nimmt, für welche in den andern Europäischen Moralssystemen so unverantwortlich schlecht gesorgt ist. Die vermeintliche Rechtlosigkeit der Tiere, der Wahn , daß unser Handeln gegen sie ohne moralische Bedeutung sei, oder, wie es in der Sprache jener Moral, heißt, daß es gegen Tiere keine Pflichten gebe, ist eine geradezu empörende Rohheit und Barbarei.“(5)

    Die Ursache von Rohheit und Barbarei liegt im Mangel an Mitgefühl. Die Fähigkeit, Mitleid zu empfinden, ist eine Charaktereigenschaft, die – sofern überhaupt vorhanden – tief in der Persönlichkeit des Menschen angelegt ist und sich auch in seinem Verhalten zu Tieren auswirkt. Daher kam Schopenhauer zu dem Schluss:

    „Mitleid mit Tieren hängt mit der Güte des Charakters so genau zusammen, daß man zuversichtlich behaupten darf, wer gegen Thiere grausam ist, könne kein guter Mensch sein.“(6)

    Übrigens, Arthur Schopenhauer gehörte zu den ersten Mitgliedern des 1841 gegründeten Frankfurter Tierschutzvereins. Dessen Arbeit beruht,  wie die wohl aller Tierschutzvereine, auf Mitleidsethik, denn hätte die Natur nicht das Mitleid in das menschliche Herz gepflanzt, es gäbe weder Tierschutzvereine noch Tierethik.

H.B.

Zitatquellen: Arthur Schopenhauer , Zürcher Ausgabe, Werke in zehn Bänden, Zürich 1977,  Band VI,  Preisschrift über die Grundlage der Moral, zu:
(1) S. 275, (2) S. 284 f., (3) S. 252, (4) S. 252, (5) S. 278, (6) S. 281.

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Arthur Schopenhauer
Arthur Schopenhauer (1788-1860)

        

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Tierschutzpartei : Europawahl 2014 – Ergebnis

Für die Tierschutzpartei war die Europawahl 2014 sehr erfolgreich, denn diese Partei ist nun mit einem Abgeordneten im Europaparlament vertreten! Dieses für den Tierschutz erfreuliche und ermutigende Ergebnis beruht weniger darauf, dass der Stimmenanteil  der Tierschutzpartei bei den Europawahlen sich von 1,1% in 2009 auf 1,2% in 2014 erhöhte als vielmehr auf dem geänderten Wahlrecht, durch welches die Mindestprozentgrenze fortgefallen war.

Hinzu kommt, was keinesfalls unwichtig ist, dass die Tierschutzpartei mit ihrem Stimmenanteil weit über der Mindestgrenze von 0,5% liegt und daher wie bisher Mittel aus der staatlichen Parteien- finanzierung beanspruchen kann, wodurch auch in finanzieller Hinsicht die Zukunft der Partei gesichert sein dürfte.

Der Stimmenanteil der Tierschutzpartei erhöhte sich bei der Europawahl 2014 gegenüber der von 2009 zwar nur um 0,1%, doch vergleicht man die Wählerzahlen, so zeigt sich ein für diese Partei noch viel günstigeres Bild: Bei der Europawahl 2009 hatte die Tierschutzpartei 134.000, hingegen bei der in 2014 ca. 185.000 Wähler, das ist eine Steigerung von etwa 37%!

Dieses Ergebnis ist besonders positiv zu bewerten, wenn man bedenkt, dass einige Landesverbände der Tierschutzpartei keinen eigenen Vorstand haben, wodurch die Arbeit auf Landesebene verständlicherweise beeinträchtigt wird. Ein Beispiel hierfür ist Berlin. Dort konnte die Partei auch ohne aktivem Landesvorstand ihre Stimmenzahl in der Europawahl 2014 im Vergleich zu der von 2009 um 59,7% erhöhen! Im übrigen sei hierzu auf die Ergebnisse der Tierschutzpartei in den einzelnen Bundesländern verwiesen, die auf der Webseite von tierrechte-tv mit den jeweiligen Vergleichszahlen für 2009 und 2014 tabellarisch zusammengestellt sind. 

Ein wesentlicher Grund dafür, dass die Tierschutzpartei solche positiven Wahlergebnisse erreicht, dürfte – wie auch andere Untersuchungen beweisen – ihr Name sein, der auf ein deutliches Bekenntnis zum Tierschutz hinweist.

Wie sehr der Tierschutz ein zentrales Motiv ist, gerade die Tierschutzpartei zu wählen, zeigen eindrucksvoll auch Vergleiche mit der ödp: Wie schon in früheren Wahlen konnte diese Partei trotz weit größerer Mitgliederzahl nur einen viel geringeren Stimmenanteil als die Tierschutzpartei erreichen. Die ödp tritt zwar auch für den Tierschutz ein, aber nicht so konsequent und deutlich wie die Tierschutzpartei. Dass die ödp mit 0,6%  der Stimmen – ebenso wie die Tierschutzpartei mit 1,2% – nunmehr einen Abgeordneten in das Europaparlament entsenden kann, ist aus Sicht des Tierschutzes durchaus erfreulich, denn sie steht mit ihrem umwelt- und tierfreundlichen Programm der Tierschutzpartei im Vergleich zu den anderen  Parteien ziemlich nahe.

Die Tierschutzpartei sieht sich laut ihrem Grundsatzprogramm als „Teil der Tierrechtsbewegung” und auch in ihrem Programm zur Europawahl 2014 betonte sie ihren Anspruch, Stimme der Tiere zu sein. Es ist daher zu hoffen, dass – obgleich die Tierschutzpartei nur einen Abgeordneten stellt – „die Stimme der Tiere” zukünftig sehr deutlich im Europaparlament zu hören sein wird. Ich bin da jedenfalls durchaus zuversichtlich.

hb

Tierschutzpartei in der Europawahl 2014 > Tabellen

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Tierschutzpartei zur Europawahl 2014 zugelassen

Sehr ermutigend für alle Tierfreunde: Die Tierschutzpartei wurde, wie der Bundeswahlleiter mitteilte, zur Europawahl 2014 zugelassen.

Nachdem laut Urteil des Bundesverfassungsgerichts für die Europawahl 2014 keine Prozenthürde mehr besteht, hat die Tierschutzpartei sehr gute Chancen, künftig im Europaparlament vertreten zu sein, denn bei der letzten Europawahl (2009), wo leider noch die Prozenthürde galt, konnte die Tierschutzpartei 1,1% aller Wählerstimmen gewinnen. Dieser Prozentsatz reicht nunmehr aus, um mindestens einen Sitz im Europarlament zu erhalten.

Ja mehr noch: Die Tierschutzpartei konnte für die Beteiligung an der Europawahl 2014 innerhalb erstaunlich kurzer Zeit weit mehr als die nach dem Wahlgesetz erforderliche Zahl an Unterstützungsunterschriften sammeln. Hierdurch wird deutlich, dass das Wählerpotential der Tierschutzpartei erheblich größer ist, als es in deren  Wahlergebnissen bisher zum Ausdruck kam.

So bietet die Europawahl 2014 erstmalig eine realistische Chance, dass die  Tiere im Europaparlament eine Stimme bekommen, und zwar durch eine Partei, die Tierschutzpartei, die sich entsprechend ihrem Grundsatzprogramm überzeugend für das Recht der Tiere auf Leben und Gesundheit einsetzt.

Das Argument der verlorenen Stimme gilt bei der Europawahl 2014 nach dem Wegfall der Prozenthürde nicht mehr. Alle Wähler, denen das Wohl der Tiere wirklich  am Herzen liegt, müssen sich deshalb nun ernsthaft fragen, ob sie es gerade auch in ethischer Hinsicht verantworten können, Parteien zu wählen, für die der Tierschutz – wenn überhaupt –  nur ein nachrangiges Thema ist. Die Antwort kann dann eigentlich nur sein: Tierschutzpartei wählen, damit die Chance, welche die Europawahl 2014 bietet, nicht vertan wird!

hb

Tierschutzpartei : Europawahl 2009 > Ergebnisse

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Jagd und Naturschutz

Immer mehr Menschen lehnen, zumindest in unserem Land, den Jagd“sport“ ab. Die Jäger geraten so zunehmend unter Druck und sehen sich gezwungen, ihr blutiges Freizeitvergnügen zu rechtfertigen. Eines der Argumente, das sie hierzu vorbringen, ist der Naturschutz. Zum Beispiel behaupten sie, dass die Jagd den Wildbestand regulieren und dadurch den Wald vor großen Schäden schützen würde. Das ist eine bloße Schutzbehauptung, welche die Wahrheit verdreht und die tatsächlichen Hintergründe für die Jagd bewusst verschleiert. Das geht meiner Meinung nach deutlich auch aus einem sehr lesenswerten Buch hervor, dessen Verfasser, Peter Wohlleben, zu diesem Thema durchaus kompetent ist, denn er ist Förster. Der Titel des Buches lautet: „Kranichflug und Blumenuhr“.

Der wahre Grund für die großen Wildschweinbestände, so stellt (auf Seite 133) der sachkundige Autor fest, “liegt in dem Verhalten der Jäger: Obwohl sie ebenfalls lauthals die steigende Population beklagen, füttern sie ganzjährig an verborgenen Stellen im Wald, um genügend Tiere jagen zu können. Pro erlegtes Wildschwein beträgt die durchschnittliche Futtermenge 130 Kilogramm Körnermais.”

Zu diesem Buch las ich in Buchhhexe eine sehr informative Rezension, welche die wirklichen Zusammenhänge klar und deutlich zum Ausdruck bringt. Dort heißt es:

“Ein weiterer Pluspunkt ist der kritische Umgang des Autors mit landläufigen Meinungen: So räumt er zum Beispiel mit der weit verbreiteten Meinung auf, dass Wildschweine sich wegen des Klimas oder erhöhtem Nahrungsangebot so unkontrolliert verbreiten (und angeblich gejagt werden müssen, um die Bestände zu verkleinern). Tatsächlich sind es die Jäger selbst, die die Tiere füttern und damit für die steigende Population und die ´Wildschweinplagen` sorgen – um sie dann selbst legitimiert abschießen zu dürfen. Eine Heuchelei sondergleichen: Die beklagte Plage wurde selbst erschaffen, um sie anschließend zu bekämpfen. Peter Wohlleben, selbst ein Förster, zeigt diesen Umstand auf und meint, nur ein Verbot der Fütterung wäre wirksam gegen die wachsenden Wildschwein- und Rehbestände – das jedoch weiß die Jagdlobby selbst zu verhindern! Dass die Tiere zudem in die Städte flüchten und hier für Ärger sorgen, geht ebenfalls auf das Konto der Jagd: Nur in der Stadt müssen Tiere wie Wildschweine den Menschen nicht fürchten, während sie außerhalb in ständiger Angst vor der Unmenge an Jagdscheininhabern in Deutschland leben müssen. Die Jagd ist also keinesfalls die unverzichtbare Lösung für ein Problem, sie schafft das Problem erst selbst!“

Diesem Urteil schließe ich mich voll an. Das von Buchhexe ausgezeichnet rezensierte Buch bestärkt mich in der Erkenntnis: Nicht die Tiere, sondern die Jäger und ihre Lust am Töten sind das eigentliche Problem!

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Kant , Schopenhauer und die Tiere

Kant , so schrieb Arthur Schopenhauer,” ist ein großer Geist, dem die Menschheit unvergessliche Wahrheiten verdankt” und „vielleicht der originellste Kopf, den jemals die Natur hervorgebracht hat“. Seine Philosophie wäre „die wichtigste Lehre, welche seit 2000 Jahren aufgestellt worden” sei. Deshalb ist es verständlich, wenn das Hauptwerk von Kant, nämlich „Kritik der reinen Vernunft”, zu einer der Grundlagen für Schopenhauers Philosophie wurde. Doch das hinderte Schopenhauer keineswegs daran, dort, wo er es für notwendig hielt, Kant zu kritisieren, ja zu „rügen”. Ein Beispiel hierfür ist Kants Einstellung zu den Tieren, welche damit zusammenhängt, dass der Vernunft während der Aufklärung, also der Zeit Kants, besonderer Wert beigemessen wurde. Für Kant waren Tiere nur vernunftlose Wesen, mit denen man dehalb nach Belieben schalten und walten könne.

Ganz im Gegensatz hierzu stand Arthur Schopenhauer. Er war nicht nur  Tierfreund, sondern gab – als wohl erster weltbekannter westlicher Philosoph der Neuzeit –  in seiner Philosophie eine sehr tiefe Begründung, warum Mensch und Tier sich nicht absolut, sondern allenfalls nur relativ voneinander unterscheiden würden, ja dass sie im Grunde wesensgleich seien.

In seiner „Preisschrift über die Grundlage der Moral” wandte sich  Schopenhauer deutlich gegen Kants Ethik. Dessen Satz, „dass die vernunftlosen Wesen (also die Tiere) Sachen wären und daher auch bloß als Mittel, die nicht zugleich Zweck sind, behandelt werden dürften”, so Schopenhauer wörtlich, „beleidigt die echte Moral”.

Hierzu zitierte Schopenhauer aus Kants „Metaphysischen Anfangsgründen der Tugendlehre”, wo ausdrücklich gesagt sei: „Der Mensch kann keine Pflicht gegen irgend ein Wesen haben, als bloß gegen den Menschen” und „Die grausame Behandlung der Tiere ist der Pflicht des Menschen gegen sich selbst entgegen; weil sie das Mitgefühl an ihrem Leiden im Menschen abstumpft, wodurch eine der Moralität im Verhältnis zu andern Menschen sehr diensame, natürliche Anlage geschwächt wird.”

Schopenhauer kommentierte diese, jeden Tierfreund abstoßenden Äußerungen Kants sehr treffend: „Also bloß zur Übung soll man mit Tieren Mitleid haben, und sie sind gleichsam das pathologische Phantom zur Übung des Mitleids mit Menschen. Ich finde ,… solche Sätze empörend und abscheulich.”

Immanuel Kant starb 1804. Wenige Jahrzehnte danach entstanden in Deutschland die ersten Tierschutzvereine, die ihren Tierschutz oftmals mit einem anthropozentrischen Argument begründeten, das dem von  Kant ähnlich war. Arthur Schopenhauer, der die Gründung von Tierschutzvereinen sehr begrüßte und in einem von ihnen selbst Mitglied war, lehnte derartige anthropozentrische Argumente entschieden ab:

„Die Tierschutzgesellschaften, in ihren Ermahnungen, brauchen immer noch das schlechte Argument, dass Grausamkeit gegen Tiere zu Grausamkeit gegen Menschen führe; – als ob bloß der Mensch ein unmittelbarer Gegenstand der moralischen Pflicht wäre, das Tier bloß ein mittelbarer, an sich eine bloße Sache! Pfui!”

Schopenhauer verwies in diesem Zusammenhang auf Kants Einstellung Tieren gegenüber, so dass – was Tiere angeht – sein „Pfui” sich auch auf die Kantsche Ethik bezog. Hieran zeigt sich, dass Schopenhauers Tierliebe stärker war als die hohe Verehrung, die er ansonsten Kant und dessen Philosophie entgegenbrachte.  

Der „große Kant”, der „große Geist”, wie ihn Schopenhauer nannte, ist ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass großer Verstand nicht mit großem Mitgefühl, zumindest wenn es sich „nur” um Tiere handelt, verbunden sein muss. Bei Arthur Schopenhauer war beides – großer Scharfsinn und eine ausgeprägte Fähigkeit zur Empathie mit Mensch und Tier, was in seiner Mitleidsethik, in der Tiere voll einbezogen sind, zum Ausdruck kommt. Seine Mitleidsethik ist eine wesentliche Ergänzung zu Kants Philosophie. Auch deshalb ist, wie ich meine, Schopenhauers Anspruch, Vollender der Kantschen Philosophie zu sein, auch im Hinblick auf die Tierethik nicht unberechtigt.
hb

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