Tierversuche : Die Macht der Bilder

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Diese Lebensweisheit gilt auch für einen Bereich unserer Gesellschaft, in welchem eine besonders schreckliche Art der Tiernutzung praktiziert wird, nämlich Tierversuche. Es gibt kaum Bilder, die so erschreckend sind, wie die vom Leid der Versuchstiere, wobei die schlimmsten Bilder aus den Versuchslabors wahrscheinlich gar nicht veröffentlicht werden.

Wie sehr solche Bilder auf Menschen wirken, konnte ich während meiner jahrelangen Mitarbeit bei den Tierversuchsgegnern feststellen. So sah ich am Infostand der Tierversuchsgegner, dass Passanten vor den dort gezeigten entsetzlichen Bildern einen großen Bogen um den Stand machten. Sie hatten offensichtlich Angst vor diesen Bildern. Ehrlich gesagt, ich habe hierfür sogar gewisses Verständnis, denn diese Bilder von furchtbar geschundenen Tieren verfolgten mich selbst bis in den Schlaf.

Einerseits ist es unbedingt notwendig, die Öffentlichkeit über das Entsetzliche der Tierversuche aufzuklären, andererseits ist jedoch zu fragen, was nützen abschreckende Bilder, wenn die Menschen vor solcher realistischen Aufklärung Angst haben und sich deshalb ihr entziehen? Wäre es dann nicht besser, wenn die Tierversuchsgegner etwas weniger schreckliche Bilder verwenden, von denen anzunehmen ist, dass die Menschen vor ihnen nicht zurückschrecken, also bereit sind, sich diese überhaupt anzuschauen?

Obige Fragen lassen sich wohl nicht generell beantworten, denn die Fähigkeit und die Bereitschaft der Menschen, wirklich realistische Bilder von Tierversuchen anzusehen und zu verkraften, dürfte individuell sehr verschieden sein. Schon deshalb erfordert die Aufklärungsarbeit der Tierversuchsgegner nicht nur sachliches Wissen, um den beschönigenden Argumenten und Rechtfertigungsversuchen der Tierexperimentatoren erfolgreich begegnen zu können, sondern auch viel psychologisches Einfühlungsvermögen.

Bilder sollten für sich selbst sprechen, so dass Worte eigentlich nicht notwendig wären. Zuweilen können aber auch Worte so eindrucksvoll sein, dass im Kopf des Hörers oder Lesers Bilder entstehen. Ein Beispiel hierzu stammt von Arthur Schopenhauer, der sich über Tierversuche, „das  grausame Opfer auf dem Altar der Wissenschaft”, so äußerte:

„Heut zu Tage hingegen hält jeder Medikaster sich befugt, in seiner Marterkammer die grausamste Tierquälerei zu treiben, um Probleme zu entscheiden, deren Lösung längst in Büchern steht, in welche seine Nase zu stecken, er zu faul und unwissend ist … Besondere Erwähnung verdient die Abscheulichkeit, welche Baron Ernst  von Bibra zu Nürnberg begangen hat …: Er hat zwei Kaninchen planmäßig tothungern lassen! um die ganz müßige und unnütze Untersuchung anzustellen, ob durch den Hungertod die chemischen Bestandteile des Gehirns eine Proportionsveränderung erlitten! Zum Nutzen der Wissenschaft, – n´est-ce-pas (nicht wahr)? Lassen denn diese Herren vom Skalpell und Tiegel sich gar nicht träumen, dass sie zunächst Menschen und sodann Chemiker sind? Wie kann man ruhig schlafen, während man harmlose, von der Mutter gesäugte Tiere unter Schloss und Riegeln hat, den martervollen langsamen Hungertod erleiden? Schreckt man da nicht auf im Schlaf?”

Leider ist das, was Arthur Schopenhauer vor mehr als 150 Jahren beschrieb, im wesentlichen auch heute noch Realität. Damit die wissenschaftliche Tierfolter endlich der Vergangenheit angehört, ist die Macht der Bilder unentbehrlich. Werden die Bilder richtig, also psychologisch optimal, eingesetzt, so werden sie, davon bin ich aus eigener Erfahrung überzeugt, ihre aufrüttelnde Wirkung auf viele Menschen nicht verfehlen. 
hb

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