Karlheinz Deschner : Die Tiere und das Christentum

    Bei der Verleihung des Deschner-Preises 2007 an Richard Dawkins, dem Verfasser religionskritischer, wegweisender und evolutionstheoretischer Werke, äußerte sich der wohl bedeutendste Kirchenkritiker unserer Zeit, Karlheinz Deschner, über die Tiere und das Christentum.(1)

In seiner Festrede hob Deschner als seinen ganz besonderen Wunsch hervor, dass der Preis jene auszeichnen sollte, die immer wieder eintreten auch und gerade für das am wenigsten geachtete, am meisten missbrauchte, das schuld- und hilfloseste Geschöpf der Welt.

Schon das erste Bibelblatt gibt es [das Tier] zum Schlachten, zum Verschlingen frei – und kein «Wort Gottes» war bis heute so erfolgreich wie diese furiose Fressofferte einer Religion, die damit prahlt, alle Tieropfer abgeschafft zu haben, und doch mehr Tiere opferte als jede andere Religion, nur nicht mehr Gott, sondern dem eigenen Bauch.

    Schon das erste Tier, das auftaucht im Alten Testament, wird verteufelt. Schon der älteste Christ im Neuen Testament wendet sich gegen das Tier. Noch heute starren uns in ungezählten Christentempeln Tiere an, Tiergesichter, erbarmungslos von irgendwelchen Heiligenquanten zerquetscht. Und noch heute sanktionieren Päpste die Vivisektion!

    Und wir? Wir Aufgeklärten? Humanisten? Wie verkehren wir mit Tieren, der unbeweinten Kreatur? Am liebsten doch und lebenslang per Essbesteck! Mit Wesen, von denen Darwin sagt, sie haben «dieselben Gemütsbewegungen» wie wir.

    «Für einen Bissen Fleisch››, klagte bereits der treffliche Plutarch. Leonardo da Vinci sah die Zeit kommen, «wo man auf den Mord von Tieren herabsehen werde wie jetzt auf den Mord von Menschen.›› Und keiner blickte tiefer als Tolstoi:
«Solange es Schlachthäuser gibt, wird es auch Schlachtfelder geben.››(2)

Deschners Kritik mag manchem christlich orientierten „Tierfreund“ zu hart erscheinen, aber ist sie deshalb unberechtigt? Im übrigen stimmte Karlheinz Deschner auch in dieser Hinsicht mit dem von ihm hoch geschätzten Arthur Schopenhauer überein, der meinte, dass es ein nicht weg zu erklärender und seine heillosen Folgen täglich manifestierender Grundfehler des Christentums ist, dass es widernatürlicherweise den Menschen losgerissen hat von der Tierwelt, welcher er doch wesentlich angehört, und ihn [den Menschen] nun ganz allein gelten lassen will, die Tiere geradezu als Sachen betrachtend …(3)

Anmerkungen

(1) Deschner wurde als der „bedeutendste Kirchenkritiker des Jahrhunderts“ bezeichnet. Weiteres mit Quellenangabe > Herbert Becker : Karlheinz Deschner .
(2) Karlheinz Deschner und seine große Kriminalgeschichte des Christentums. Zum Erscheinen von Band 9 im Juli 2008. Rowohlt: Reinbek 2008, S. 48 f.
(3) Arthur Schopenhauer, Parerga und Paralipomena II, § 177 Über das Christentum. (Zürcher Ausgabe), Diogenes: Zürich 1977, S. 408.

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Weiteres > Karheinz Deschner , Arthur Schopenhauer und die Tierethik

H.B.

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