Vegetarier gegen Fleischesser

Als „Duell“ zwischen Vegetariern und Fleischessern wurde die Sendung, die am 10. Juni 2014 im ZDF lief, angekündigt. Doch es war, jedenfalls nach meinem Eindruck, eigentlich kein Duell, sondern – wie am nächsten Tag eine Fernsehkritik dazu schrieb – ein „Kuschelkurs im Zweiten“, der kaum Neues bot: Dass die vegetarische Lebensweise gesünder, umweltfreundlicher und nicht ganz so tierquälerisch ist, war mir längst bekannt und gehört wohl inzwischen schon zum Allgemeinwissen. Nur ab und zu kam etwas Brisanz in die Sendung, nämlich dann, wenn über Gesundheit und Umweltschutz hinaus auch Fragen der Tierethik erwähnt wurden. Aber das war nur sehr zaghaft der Fall, so dass es beim freundschaftlichen Meinungsaustausch bleiben konnte.

In der Sendung standen sich Vegetarier und Fleischesser gleichsam in zwei Lagern gegenüber. Hierbei gehörte es zum Konzept der Sendung, dass zwei Teilnehmer, die als „Vegetarier“ vorgestellt wurden, vorübergehend in das Lager der Fleischesser überwechselten. Es ist aufschlussreich, dass für beide dazu ausgesuchten „Vegetarier“ bei ihrer Ernährung offenbar nicht Tierschutz bzw. Tierethik im Mittelpunkt standen. Das ist verständlich, denn ethischen Vegetariern hätte man einen solchen Wechsel wahrscheinlich nicht zugemutet. Das wurde deutlich im Falle eines Teilnehmers, der sich gleich am Anfang der Sendung entschieden gegen das Fleischessen ausgesprochen hatte, indem er Fleischessen mit Mord in Zusammenhang brachte. Er war, soweit ich mich entsinne, Veganer. Auch hier bestätigte sich das, was ich immer wieder beobachten konnte, nämlich dass von Veganern zumeist konsequenter als von Vegetariern im Sinne der Tierethik argumentiert wird.

Viele Fleischesser sind sich durchuas der ethischen Problematik ihrer Ernährung bewusst. Sie wissen sehr wohl von dem durch ihre Lebensweise verursachten Leid der Tiere, verdrängen es aber. So wissen sie auch, dass sie der ethischen Begründung für die vegetarische bzw. vegane Lebensweise keine überzeugenden Argumente entgegen halten können. Es bleibt ihnen dann nur noch die polemische Frage, die auch in der Sendung gestellt wurde: Sind Vegetarier die „besseren Menschen“?

Ich habe im Laufe von Jahrzehnten viele Vegetarier und Veganer kennengelernt. Keiner von ihnen hat eine solche Frage von vornherein bejaht. Soweit sich Menschen überhaupt ethisch beurteilen lassen, kommt es selbstverständlich nicht allein darauf an, ob sie Vegetarier sind oder nicht, weil viele andere Charaktereigenschaften dabei ebenfalls Bedeutung haben. Dennoch ist es eine unbestreitbare Tatsache, dass in ethischer Hinsicht ein wesentlicher Unterschied besteht, ob – wie bei Fleischessern – durch die Ernährung bewusst Leid und Tod anderer Lebewesen verursacht werden oder –  wie bei Veganern – Leben respektiert und geschont wird. Leider wurden solche Fragen in dieser Sendung allenfalls nur am Rande erwähnt. Schade, denn sonst hätte es wirklich zu einem Duell kommen können. So blieb es eben nur bei einem „Kuschelkurs“, der wohl kaum einen Fleischesser im Hinblick auf das von ihm mit zu verantwortende Tierleid wachgerüttelt und zum Umdenken veranlasst haben wird. Vielleicht, so hoffe ich, wird der eine oder andere von ihnen zumindest aus Gesundheitsgründen künftig seinen Fleischkonsum etwas reduzieren. Sollte das der Fall sein, wäre das zwar nicht Tierethik, aber doch ein Beitrag zu etwas weniger Tierquälerei – und darüber kann ich mich auch als Tierschützer und Veganer freuen.
HB

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